Nov 05

Phänomen Sommerfrische

PHÄNOMEN SOMMERFRISCHE

 

 

 

 

 

ERKLÄRT AM BEISPIEL DREIKIRCHEN

INHALTSVERZEICHNIS

1.0. VORWORT
4

2.0. ENSEMBLESCHUTZ
7

3.0. DIE SOMMERFRISCHE
10

3.1. Vorgeschichte
10
3.2. Allgemein
11 3.3. Südtirol und der Ursprung der Sommerfrische
13

4.0. DREIKIRCHEN
18

4.1.Umgebung
18 4.2.Der Dreikirchner Berg
19 4.3.Der Ursprung
21

 

4.4.Die Kirchen
22 4.5.Dreikirchen als Kurort
23

 

5.0.DREIKIRCHEN – SOMMERFRISCHE DER BESONDEREN ART
25

5.1.Johanna Ringler und Heinrich Settari 26 5.2. Das “Großtantentum”
30 5.3. Verwandtschaft heute
32

6.0. DIE SOMMERHÄUSER
35 6.1. Die einzelnen Häuser
35

 

 

7.0. EINFLÜSSE ZWEIER MIT DREIKIRCHEN VERBUNDENER ARCHITEKTEN
37

7.1. Lois Welzenbacher

37
7.1.1. Kaffeemühle
39 7.1.2. Haus Baldauf
42

7.2. Hubert Lanzinger

43 7.2.1. Hubert Lanzinger und Pia Settari
45 7.2.2. Dreikirchen
46 7.2.2.1 Briol
48 7.2.3. Huber Lanzinger und Adolf Hitler
51 7.2.4. Briol und Architekt Peter Zumthor – fünf Baumhäuser im Hang
53

 

8.0. NACHWORT
56

9.0. QUELLENVERZEICHNIS
59 9.1. Textquellen
59 9.1.1. elektronische Quellen
60 9.2. Bildquellen
61
Nachtfalter

1.0. VORWORT

Kinder klettern auf die Jahrzehnte alte Kastanie, essen Kuchen mit viel zu großen Gabeln, spielen in der Sandkiste. Eine Frau steht auf der Terrasse, den Blick ins Weite, die Schwingtüre quietscht, sonst hört man nichts; kein Auto, keinen Lärm, keinen Verkehr. Es herrscht Stille an diesem Ort. Eine wunderbar ruhige Stille. Man hört die Vögel, Kindergelächter, den Wind, das Rauschen der Blätter.

Es ist Ende April und der Berg erwacht langsam aus seinem Winterschlaf. Dort wo vor zwei Wo-chen noch Schnee lag, sprießt jetzt erster Löwen-zahn aus dem saftigen Grün. Die altgelben Tisch-decken zieren die Tische der Terrasse, die Gera-nien blühen und die Wäsche trocknet in der Sonne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist alles so, wie es immer war, und doch ganz anders. Auf den Bergen liegt noch Schnee, im Tal blühen die Narzissen. Die Stille umhüllt einen, lässt einen nicht mehr los, gibt einem ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz.


Blumenwiese in Dreikirchen

Sommerfrische. Zeit. Sommer. Natur. Stille. Rückzug. Freiheit. Kindheit. Wanderungen. Waldbeeren. Holzhütten. Wasserfälle. Lagerfeuer. Blumensträuße. Hollersaft. Verwandtschaft. Freundschaften.

Drei Monate, drei lange Monate verbrachte ich jedes Jahr in der Sommerfrische, spielte mit meinen Brüdern und Verwandten, baute Holzhütten, pflückte Blumen und sammelte Beeren, unternahm Entdeckungswanderungen und half meiner Mutter dabei, Marmelade zu machen. Es waren die schönsten Monate des Jahres, ich war frei, konnte tun und lassen was ich wollte und sah alle meine Verwandten wieder. Alles ist so, wie es immer war, und doch ganz anders.

Dreikirchen ist für mich ein magischer Ort, ein kleines Stück Himmel auf Erden, ein Paradies. Man kann den Ort nur zu Fuß erreichen – solange man hier nicht ansässig ist – oder mit dem Bergtaxi. Dieses Plätzchen ist Teil meines Lebens und erzählt seine ganz eigene Geschichte. Speckknödel

Es ist meine Geschichte, die Geschichte meiner Familie, beginnend mit meinen Ur-ur-Großeltern. Auch wenn ich nicht mehr drei Monate hier verbringe, auch wenn es mich oft mehr in die große weite Welt zieht als in unser kleines Häuschen in Dreikirchen, fühle ich mich doch immer tief verbunden mit diesem Ort, und wünsche mir, dass er immer so bleibt, wie ich ihn erlebe, dass sich nichts ins Negative verändert und ich hier alt und grau werde, wie meine Urgroßtanten es wurden.

Ich habe mich entschlossen dies alles hier festzuhalten, diese, meine Geschichte weiterzugeben. In diesen Seiten will ich den Mythos Sommerfrische erläutern, die Geschichte der Rittner und meiner ganz eigenen, der Dreikirchner Sommerfrische erzählen. Ich will die Sommerfrische nicht in Vergessenheit geraten lassen, will über das Leben einiger wichtiger Personen und deren Verbundenheit mit Dreikirchen berichten und von alter Architektur und neuen Projekten erzählen.

  1. ENSEMBLESCHUTZ

Das Bad, die drei Kirchlein, die Bäume und Steine

Beobachtet man den Gasthof Bad Dreikirchen aus der Luft, erkennt man, dass er das gleiche Schindeldach hat wie die drei daneben-liegenden Kirchen. Dieses Dach darf nicht verändert werden, da es zu einem Ensemble gehört.

Ein weiteres, wichtiges Beispiel für Ensembles ist das kleine Dorf Corippo, welches im Schweizer Tessin liegt und dessen Häuser und Dächer alle aus dem gleichen Stein errichtet wurden.

 

Doch was sind Ensembles?

Bei Ensembles handelt es sich nicht um einzelne Bauten oder Häuser, sondern um ein Zusammenspiel von mehreren Objekten. Diese Objekte erzählen meist eine Geschichte über Mensch und Natur und bieten Einblick in die lokale und regionale Identität.

Man beachtet beim Ensembleschutz das äußere Erscheinungsbild und die Verbindung der in einer Beziehung stehenden Objekte.

In Südtirol gibt es seit April 2004 zehn von der Landesregierung beschlossene Kriterien für die Festlegung eines Ensembles.

 

 

“Steindorf” Corippo, Valle Verzasca, Tessin

Unterschied zwischen Ensemble- und Denkmal- und Landschaftsschutz

Der erste Unterschied ist der, dass die Gemeinde selbst den Ensembleschutz umsetzen kann. Somit kann diese selbst entscheiden, welche Anlagen für das jeweilige Dorf wichtig sind und diese schützen.

Der zweite Unterschied liegt darin, dass beim Ensembleschutz im Gegensatz zum Denkmalschutz meistens weitergebaut werden darf, jedoch gibt es bestimmte Vorschriften und Regeln, die den zukünftigen Bau eingrenzen und kontrollieren, sodass nicht nach Belieben einfach etwas Neues erstellt werden kann.

Der Ensembleschutz soll somit helfen, Entwicklungsmaßnahmen zu setzen, welche die Orte und Plätze vor negativen Bauten bzw. Umbauten schützen sollen.

Ein weiteres Beispiel für Ensembles: die
Turmhäuser von Vathi auf Mani, Peloponnes

3. DIE SOMMERFRISCHE

3.1. Vorgeschichte:

Schon in der Antike übersiedelte der Adel im Sommer von der Stadt auf den Landsitz, wobei dies u.a. wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass man das Land im Sommer zu bewirtschaften hatte.

Auch in der Renaissance und im Barock zog die Aristokratie zu Beginn des Sommers vom Stadtpalais bzw. Winterschloss in das Sommerschloss.

Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Sommerfrische fester Bestandteil des Sommerlebens der Aristokratie und des

wohlhabenden Bürgertums. Jene, die sich keinen eigenen Sommeransitz leisten konnten, quartierten sich in Gasthäusern ein. Somit ist die Sommerfrische eng mit dem Beginn des Tourismus verbunden.

3.2. Allgemein:

Während der Sommer des 19. Jahrhunderts wurde der Aufenthalt in den inzwischen industrialisierten und überbevölkerten Städten unerträglich und die Bevölkerung sehnte sich nach Kühle, nach sattem Grün, rieselndem Wasser und Sonnenstrahlen. Kurzum, die Städter wollten aufs Land. Doch waren es zu dieser Zeit nur wenige, privilegierte, wohlhabende Bürger bzw. Aristokraten, die sich diesen Luxus leisten konnten; der größte Teil der Stadtbevölkerung musste in jener verweilen, da die Arbeit einen “Urlaub” nicht gestattete. Auch die Familienväter der “Sommerfrischler” flohen nur über die Wochenenden in die Kühle.

 

“Marell” und “Urbele” , Dreikirchen

 

 

Diejenigen, die in die Sommerfrische aufbrechen konnten, um dort ihr Arbeitsrevier auf Zeit aufzuschlagen, waren die Künstler, die ihre Arbeit einfach aufs Land verlegten. Damals wie heute war das Bild der Sommerfrische durch Künstler, Komponisten und Literaten geprägt, welche aufs Land flüchteten um sich inspirieren zu lassen, wie beispielsweise Heimito von Doderer, der den Riegelhof in Prein an der Rax zum Schauplatz der “Strudelhofstiege” machte. Man liebte die Sommerfrische wegen ihrer Landschaft, Abgeschiedenheit und den intellektuellen Begegnungen mit anderen Landschafts- und Abgeschiedenheitssuchenden.

Die Sommerfrische ist ein System des Vertauschens: Hitze gegen Kühle, Alltägliches gegen Mögliches, Häusermeer gegen Grünblick oder Arbeitszeit gegen Erholungsaufenthalt. Terrasse Doktorhaus

3.3. Südtirol und der Ursprung der Sommerfrische

“Ganz unerlässlich ist zum Dritten, ein Sommerfrischhaus am luftigen Ritten[…]”

Der Begriff “Sommerfrische” wurde vom venezianischen “prendere il fresco” abgeleitet und etablierte sich im Bozner Raum schon im 17. Jahrhundert, da die Bürger aus dem heißen Talkessel in die kühlen Sommerhäuser zogen. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm (1905) wird der Ausdruck als “Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit”

 

 

oder “Land Lust der Städter im Sommer” definiert.

Ausblick vom “Rittner Bahnl”

 

In der Zeit vom 29. Juni (Peter und Paul) bis zum 8. September (Maria Geburt) waren die Bozner Familien am Ritten. Die Sommer-frische war mehr als nur die Flucht vor der Hitze der Stadt, sie war Ausdruck der gesell-schaftlichen Offensive, das Bürgertum konnte sich nun auch ein adeliges Statusmerkmal leisten: den zweiten Wohnsitz.

Anfänglich galten Lengmoos und Klobenstein als die schönsten Sommerfrischorte, jedoch etablierte sich am Ende des 17. Jahrhunderts Oberbozen als der Sommerfrischort, wo Adelige und Bürger inmitten von Parkanlagen und Wäldern ihre Sommerfrischhäuser bauten.


Zu Beginn des Sommers wurden die Bozner samt Gepäck, welches sich in den sogenannten Pennen (große Flechtenkörbe) befand, auf einem niedrigen Radgestell von einem Ochsengespann über einen steilen Weg den Rittner Berg hinaufgezogen.

Zum Zeitvertreib gab es allerhand Veran-staltungen, wie Theateraufführungen und Musikkonzerte, Picknicks (damals “Porta-tecum” genannt) und Kahnfahrten am Wolfsgrubner See etc.

Die Sommerfrischler unterschieden sich durch den “Rittner Mantel”, einer weiß gewalkten Pelerine mit rotem oder schwarzem Kragen, von den Einheimischen.

 



“Sommerfrischler” in Murnau, Bayern

 

Einer der wichtigsten Zeitvertreibe der Rittner Sommerfrischler war der Schießstand. Die erste Schützengesellschaft wurde 1668 gegründet. Das gesellige Leben am Schießstand wird durch die prachtvollen Schießstandscheiben und die “Schieß-standmelodie” (jeder Treffer der Schützen wurde durch die entsprechende Melodie und einen Tanz gezeigt), veranschaulicht. Der Schießstand war jedoch nicht nur Treffpunkt der Schießgesellschaft, sondern auch Schauplatz ausgelassener Tanzveran-staltungen, wo auch verschiedene Gesell-schaftsspiele, wie z.B. das Karten- und Billardspiel, eine wichtige Rolle spielten. Meist wurden diese Spiele musikalisch umrahmt.

“Freiluftsalons” entstanden, da man die Gesellschaft in die umliegenden Gärten, Wälder oder Parks einlud, Tanzböden errichtete und Musik organisierte.

Panorama von der “Schlernbank” (Dreikirchen)

 

Ein Zitat aus Hans von Hoffensthals soll uns einen Eindruck in die Geselligkeiten am Ritten während der warmen Sommermonate geben:

[…] Und dann, wenn die friedlichen Som-mernächte am schönsten waren, der runde Mond blutig und zitternd über den Rosen-garten emporstieg, wanderten wir in den weißen Mänteln schwärmend Waldwege und Lindensteige aus, hatten die Sehnsucht des Reifens in uns und spähten heimlich verlan-gend, hinterm Buschwerk versteckt, in eben-erdig, hellerleuchtete Stuben, wo die Großen beisammensaßen und sich unterhielten, Kar-ten spielten oder freundlichen alten Quartetten lauschten. Und wieder ein anderes Jahr bekamen wir Jungen dort Zutritt, saßen artig mitten unter den beneidete Großen, redeten ein Kluges und Verschämtes mit den Mädchen und waren eifrig dabei, wenn der Saal geräumt wurde und statt der geruhigen Weisen von Mozart oder Haydn, Walzer von Strauß und Waldteufel die Alten kichern und träumen und uns tanzen machten.”

 

 

 

Hans von Hoffensthal

4.0. DREIKIRCHEN

4.1. Umgebung

Dreikirchen liegt über dem Eisacktal, circa 400m über dem Ort Waidbruck, welcher an der engsten Stelle des Tals liegt und den schmalen Eingang zum Grödnertal kenn-zeichnet. Richtung Osten führt eine Serpentinenstraße nach Barbian, einer kleinen Ortschaft mit altem Kern und schiefem Kirchturm, das auch “Zwetschgenparadies der Eisacktals” genannt wird.

In der Räterzeit zog hier schon der alte Fernweg über den Ritten

 

 

vorbei, der später zur Hauptverbindung zwischen Brenner und Bozen wurde, jedoch im Laufe der Zeit mehrmals seinen Verlauf änderte.

4.2. Der Dreikirchner Berg

Dreikirchen gehört zur Gemeinde Barbian und liegt auf der Ostseite der Rittner Horns, circa 250m oberhalb von Barbian. Der Ort ist über den ganzen Berghang verteilt; seinen niedrig-sten Punkt kennzeichnet das Gehöft Burgstall (1070m), seinen Höchsten der Stangenhof auf 1342m. Dreikirchen ist kein Dorf, obwohl es drei Einkehrmöglichkeiten und drei Kirchen gibt; vielleicht liegt dies daran, dass man den Ort nicht als solchen wahrnimmt. Es gibt keinen Dorfkern, die Häuser liegen im Wald verborgen, passen sich der Natur an und sind meist nur durch Pfade miteinander verbunden. Die meisten Häuser bleiben im Verborgenen,

 

 

da die Touristenwege nur an wenigen Gebäuden vorbeiführen. Garten “Mimihäusl”

Auch wenn die Häuser teilweise ziemlich nahe beieinander stehen, sind sie durch die Vege-tation so voneinander getrennt, sodass jedes den Anschein erweckt, es stehe ganz alleine im Wald.

Von dem von Wiesen und Wäldern geprägten Berghang kann man auf das Dolomiten-panorama blicken und auf die unzähligen Kirch- und Schlosstürme, die im Eisacktal verteilt liegen.

Man möchte meinen, dass Dreikirchen wegen des Besuches so zahlreicher Gäste und Wan-derer überlaufen ist. Dem ist aber nicht so: Jeder findet sein Ruheplätzchen zum Schrei-ben, Malen und Hinausschauen in das fried-volle Land. Man begegnet sich auf den meist steilen Wegen […], grüßt sich – und lässt sich in Ruhe.”

4.3. Der Ursprung

Dreikirchen setzt sich aus einer Vielzahl von Elementen zusammen: Wasserheiligtum, Badeort, Raststätte, Taverne, Wallfahrtsort, Weihestätte, Einsiedelei, Kurort, Sommerfrische usw. Diese Bedeutungen sind eng miteinander verknüpft, und die Schwerpunkte haben sich im Laufe der Zeit verschoben. Der Aspekt der Touristenattraktion kommt wegen der drei eng ineinander verschachtelten Kirchen oder der zum Teil architektonisch sehr interessanten Sommerfrischhäuser hinzu.

Im Mittelalter nannte sich die Gegend um Dreikirchen “St. Gertraud Mulgrei im Wald”, jedoch gibt es keine Urkunden zur Entstehung

 

des Ortes, sondern nur einige Theorien über seinen Ursprung.

 

Blick von der “Schlernbank”

4.4. Die Kirchen

Die drei Kirchen befinden sich oberhalb des Gasthofs und ihre Entstehungsgeschichte ist aufgrund fehlender Urkunden immer noch sehr ungenau und verschwommen. Man ver-mutet, die Kirchen seien Anfang des 14. Jahr-hunderts entstanden.

Die Namen der Kirchen (Magdalena, Niko-laus, Gertraud) geben wichtige Hinweise auf ihre Geschichte und die Kulturgeschichte der Region. Sowohl die hl. Gertraud als auch der hl. Nikolaus sind Schutzpatronen der Reisen-den. Dies weist auf den alten Weg der Räter über den Ritten hin. Somit kann auch das Vor-handensein einer Taverne erklärt werden.

 

Die hl. Magdalena schließlich gilt als Patronin der Einsiedler.

 

Die drei Kirchlein

 

4.5. Dreikirchen als Kurort

Dreikirchen wurde schon sehr früh zu einer Badeanstalt, die auf den Grundmauern der 1315 erbauten Taverne errichtet wurde, hatte jedoch bis zum Anfang der 18. Jahrhunderts eine eher geringe Bedeutung.

Im Jahre 1734 erwarb der Wirt Anton Ringler in Kollmann das Wirtshaus zum Weißen Kreuz, zu dessen Besitz auch das Badhaus mit Taverne in Dreikirchen gehörte. Der Besitz blieb in der Familie Ringler, 1811 wurde das Badhaus erweitert und das Heilwasser wurde durch Holzröhren direkt zum Haus geleitet.

 

 

Um 1855 zählte der Kurort schon mehr als 400 Badegäste und wurde durch den damaligen Besitzer, Joseph Ringler, erneut erweitert und ausgebaut. Trinkquelle

Die drei Heilquellen befinden sich etwa 200m oberhalb des Bades. Zwei von ihnen haben eine alkalisch-salinische Zusammensetzung, die dritte besteht aus alaunhaltigem Bitter-wasser. Auf Höhe des Bades befindet sich eine weitere Quelle, die als Trinkquelle benutzt wird.

Die Bade- und Trinkkuren wurden während eines empfohlenen 14- bis 20-tägigen Aufent-haltes im Badgasthof durchgeführt und halfen gegen Krankheiten des Magens, des Darmes, gegen Rückenmarks-, Nieren- und Blasenlei-den, Rheumatismus und Gicht, Erkrankungen der Atemwege und Regelbeschwerden.

 

Jedoch hatte neben dem Wasser auch die geschützte Höhenlage mit ihrem gleich-mäßigen, sonnigen, aber kühlen Klima und die erholsamen Spaziergänge eine heilende Wir-kung auf die Gäste.

Postkarte

5. DREIKIRCHEN – SOMMERFRISCHE DER BESONDEREN ART

“Dreikirchen”, hat einmal jemand gesagt “ist eine Weltanschauung”. Es ist nicht leicht die Weltanschauung zu beschreiben. Es ist die Freude an der Natur – Umweltbewusstsein heißt das heute- ein bisschen- ja, doch Ein-siedlertum, ein bisschen Geselligkeit, es ist ein Stück Absage an den Lärm der Welt und ein Stück Verwurzelung – es ist die Einstellung, das Ererbte zu bewahren – es ist Dankbarkeit für eine Heimat.

 

 

 

Blick auf den Schlern

 

5.1. Heinrich Settari und Johanna Ringler

Diese, meine Familiengeschichte hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Die Geschichte beginnt mit der Hochzeit meiner beiden Ur-ur-Großeltern: der Bozner Kaufmann Heinrich Settari, Inhaber der Bozner Porzellanwaren-handlung “Zimmermann”, vermählte sich um 1880 mit der Kreuzwirtstochter aus Kollmann, Johanna Ringler.

Johanna wünschte sich zur Geburt eines jeden Kindes von ihrem Mann anstatt Schmuck oder Gewänder ein Stück Wald oder ein Stück Wie-se in Dreikirchen. Da sie 15 Kinder auf die Welt brachte, gehörte schon bald der ganze Berg zum Familienbesitz der Settari. Johanna war eine sehr tüchtige Frau; sie errichtete für

 

jedes ihrer 15 Kinder ein Sommerfrischhaus auf diesem, ihrem Berg. Diese Häuser entwarf sie meistens sogar selbst und sie war auch stets bei den Bau-arbeiten anwesend.

Während Johanna mit dem Bau ihrer Häuser beschäftig war, baute Heinrich indes die erste Fahrweg von Waidbruck nach Barbian, um die Waren durch Fuhrwerke ins Dorf schaffen zu können. Zudem baute er das Badhaus aus. Sowohl die neuen Sommerfrischhäuser als auch die Verbindung zwischen Waidbruck und Barbian waren ein Neuanfang für den erblü-henden Fremdenverkehr in Südtirol. Die Häu-ser entstanden auf alten Grundmauern zerfal-lenden Hütten oder aus dem Nichts, waren nicht umzäunt und jedes hatte seinen ganz eigenen, privilegierten Platz, zwar in Ruf-weite, doch nicht in Sichtkontakt mit den anderen. Anfangs wurden sie noch im Schat-ten gebaut (blass zu sein war damals nobel), doch die ab den 1920er Jahren gebauten Häuser konnten sich sonniger Wiesen und eines freien Bergblickes erfreuen. Johanna Ringler-Settari


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Fertigstellung der Gebäude vermie-tete Johanna diese an Gäste aus aller Welt, wobei die ganze Familie im Sommer stets mithelfen musste, egal ob bei der Heuarbeit oder beim Aufräumen der Häuser.

Drei der 15 Kinder verstarben im Kindesalter, es verblieben zwei Jungen und zehn Mädchen (Dreikirchen trägt deshalb den Übernamen “der Berg der Tanten”). Johanna und Heinrich ermöglichten all ihren Töchtern, im Ausland einen Beruf zu erlernen, was damals ziemlich ungewöhnlich war; die Landbevölkerung ver-mutete: “[…]sie wurden weggeschickt, weil sie schwanger waren und die Kinder anderswo zur Welt bringen wollten”. Heuarbeit in Dreikirchen

 

5.2. “Das Großtantentum”

Die Kinder Heinrichs und Johannas waren somit in alle Welt verstreut. Tante Mimi bei-spielsweise liebte Orchideen und reiste mit einem befreundeten schwedischen Ehepaar in die Türkei um seltene Exemplare zu er-forschen. Karolin Anna war eine gute Pia-nistin, Tante Pia gelernte Hebamme, Tante Luise Gärtnerin. Leopoldine, meine Urgroßmutter, wurde in Paris als Krankenschwester ausgebildet und lernte dann am Krankenbett ihrer Nichte in Bozen den damals noch jungen Arzt Lorenz Böhler kennen und lieben, heiratete ihn und unterstützte ihn ein ganzes Leben bei seiner Arbeit. Lorenz Böhler war ein Pionier der Unfallchirurgie.

Diese “Tanten” kamen jeden Sommer in Drei-kirchen zusammen, jede in ihrem eigens für sie errichteten Haus. Dort empfingen sie ihre Gäste, schrieben Briefe, lasen Bücher und lu-den zum Tee. Da in Dreikirchen viele Wiesen und Wälder zum Allgemeinbesitz gehören, wurden oft Familienbesprechungen gehalten und Diskussionen geführt; allerdings wurden selten Entscheidungen getroffen.

Somit waren es in Dreikirchen von jeher die Frauen, welche das Sagen und die Kontrolle über den Berg hatten, und dann doch wichtige Entscheidungen trafen um den Platz zu schüt-zen und zu erhalten. Die meisten dieser Groß-tanten wurden sehr alt und verbrachten ihre letzten Tage vor oder in ihren Häuschen, die ihre Mutter, Johanna Settari, für sie errichten hatte lassen.


Mimi Settari – Tochter Johannas (1971)

Ethel Müller – noch lebende Enkelin Johannas 5.3. Verwandtschaft heute

Die Häuser wurden weitervererbt, wurden aufgeteilt und verkauft. Jedoch gilt eine eiser-ne Regel in Dreikirchen: Man darf die Häuser nur an die eigene Verwandtschaft verkaufen. Im Sommer kommen Verwandte zusammen, die mittlerweile in alle Teile der Welt zerstreut sind, genießen die Sommerfrische (auch wenn es meist nur ein paar Wochen sind), tauschen Erzählungen und Neuigkeiten aus, laden zu Tee und Kuchen oder zum Abendessen, unternehmen Wanderungen, besuchen Verwandte und laden Freunde ein. Die Kinder sehen ihre Cousins und Cousinen, bauen Holz-hütten, sogenannte “Lager” und bekriegen sich, indem sie sich mit Tannenzapfen bewer-fen, erzählen sich Gruselgeschichten und er-forschen die Wälder. Vieles hat sich verändert und doch bleibt immer alles beim Alten: man diskutiert über den Allgemein-besitz, setzt sich zur Wehr, damit Dreikirchen autofrei bleibt und dass keine Zäune errichtet werden. Der Ort vereint Menschen, die sich sonst wahr-scheinlich nie kennengelernt hätten. Plötzlich weiß man, wer sein Cousin dritten Grades ist und wie man verwandt ist. Es entstehen Freundschaften, man besucht sich auch in den Wintermonaten, wird eingeladen und lädt ein. Dreikirchen verbindet. Es verbindet eine ge-meinsame Einstellung, die Wertschätzung der Natur, der Ruhe und des Genießens. Es ver-bindet Menschen aus verschiedenen Gene-rationen, unterschiedlichen Städten und Län-dern und bringt sie jedes Jahr für ein paar Wo-chen zusammen, wo sie gemeinsam – und doch jeder für sich – diesen wunderbaren Platz ge-nießen können.

Die jüngste Generation Dreikirchens


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. DIE SOMMERHÄUSER

Da das 19. Jahrhundert die Zeit der vornehmen Blässe war, lagen die ersten Sommerfrisch-häuser im Schutz des Waldschattens. Die Gäste, die es im 19. Jahrhundert auf den Drei-kirchner Berg zog, wären niemals auf die Idee gekommen sich zu sonnen. Die Häuser hinge-gen, welche um 1920 errichtet wurden, sind wahre Sonnentempel, die auf vorspringenden Hügeln oder sonnigen Wiesenflächen liegen. Zu dieser Zeit wurde auch der Wald um die früher entstandenen Häuser ausgelichtet, da man anfing die Aussicht und das Licht zu genießen.




 

Aufgrund der Architektur, die sich nach For-men, Farben und Materialien der Gegend richtet, passen sich die Häuser perfekt der Natur an, sind ganz und gar in diese eingebet-tet; Gärten gibt und braucht es somit keine. Man genießt den Ausblick von Balkonen, Bänken und Veranden. Viele der Häuser ste-hen unter Denkmal- und Ensembleschutz.

 


 

 

7.0. EINFLÜSSE ZWEIER MIT DREIKIRCHEN VERBUNDENER ARCHITEKTEN

7.1. Lois Welzenbacher 1889-1955

Welzenbacher, der neben dem Schulbesuch auch eine Maurerlehre absolvierte, studierte sowohl an der Kunstgewerbeschule als auch an der Technischen Universität München Architektur, und wurde alsbald freier Architekt in München. Der junge Architekt war ein Vertreter der klassischen Moderne, setzte sich früh schon für Hochhausbauten ein und versuchte, seine Gebäude mit Kurven der Landschaft anzupassen. Er war der einzige österreichische Architekt, der auf der “International Style” Ausstellung im Jahr 1932

im Museum of Modern Art in New York ver-treten war.

 

 

 

Die Orte seines Schaffens waren Innsbruck, Salzburg und Wien, doch die Orte seiner Er-innerung lagen jedoch in Südtirol – Heimat seines Vaters. Welzenbacher wollte die Land-schaft durch seine Architektur einrahmen, be-grenzen und markieren – sie zum sichtbaren Erlebnis machen. Die Landschaft steht im Mit-telpunkt seiner Architektur, soll den Betrachter zum Protagonisten des Bildes werden lassen.

 

 

Welzenbacher: Haus Rosenbauer in Linz, 1929-1930

 

Einen besonderen Wert hat neben den Ent-würfen und der Ausführung auch die fotogra-fische Darstellung seiner Gebäude, die zum Vermittler seiner Konzepte und Ideen wird.


 

7.1.1. Die Kaffeemühle – Das “Mimihäusl”

Dieses architektonische Kunstwerk wurde 1923 für Mimi Settari erbaut. Die Räume sind spiralförmig um einen zentralen Kamin ange-ordnet; dies lässt das Haus sowohl futuristisch als auch geheimnisvoll, ja fast schon märchen-haft erscheinen.
Die Villa ist jedoch trotz ihres ungewöhnlichen Aussehens nahtlos in die Na-tur eingefügt. Ihr Grundriss passt sich sogar der Wegführung an. Die Lage des Hauses, seine Ausrichtung und die Kontur des Dach-randes sind von Sonne und Aussicht bestimmt. Das Dach soll die weiche, gebirgige Land-schaft nachmodellieren.

 

 

“Mimihäusl” (Haus Settari)

 

Der Spitzbogen als Eingangstür erinnert an die gotische Bauweise der Gegend, die Anord-nung der Zimmer und Fenster stellt eine enge Verbindung zwischen “Drinnen” und “Drau-ßen” her. Vom Mimihäusl hat man einen prachtvollen Ausblick in das untere Eisacktal, welchem das Dolomitenpanorama gegenüber-liegt. Da die Zufuhr von Materialien eher kompliziert war, versuchte man möglichst viele aus der unmittelbaren Umgebung zu verwenden, deshalb ist das Haus aus Kant-hölzern aus Lärchenholz, ausgesuchten Krümmlingen für das Zeltdach und Fels-stücken für die Mauerung gebaut worden.

 

 

 


Fenster der Kaffeemühle

 

 

“[…] Naturbedürfnis und Naturgefühl will der moderne Mensch in seinem Wohnen ausge-drückt wissen. Die Natur, nicht als Attrappe um das Haus herum, sondern das Haus selbst als Sonne atmender Organismus den Tages-zeiten zugewandt, gelockert in den Gliederun-gen des Grundrisses, mit großen Ausblicken auf die Landschaft, ein gleichsam zum Wesen erhobener Schnittpunkt all des Schönen außen […]”

 

 


Dachfenster der Kaffeemühle

 

 

7.1.2. Haus Baldauf

Das Haus Baldauf wurde im gleichen Jahr wie die “Kaffeemühle für die Schwester Mimi Settaris, Karolin–Anna,errichtet. Die beiden Häuser wurden im ähnlichen Baustil und mit den-selben Materialien gebaut. Trotzdem ist dieser Bau im Vergleich zum “Mimihäusl” schlichter und strenger, mit einem linearen Grundriss. Das Haus liegt auf einer von Lärchen umsäumten Lichtung, ist nur von einer bestimmten Fernsicht geprägt und somit ist der Ort weniger spektakulär, jedoch das Haus nicht weniger prägnant.

 

 

 


Haus Baldauf

7.2. Hubert Lanzinger

“Auf einen Künstler muss ich aufmerksam machen. In Wien soll ein ganz eminenter Ma-ler sein, der sich Lanzinger schreibt; er soll wenig ausstellen und von den Vereinigungen unterdrückt werden, soll aber wie gesagt, ein ganz großartiger Mensch sein. Er sei Tiroler und ein sehr famoser Mensch[…].”

Hubert Lanzinger wurde am 9. Oktober 1880 in Innsbruck geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Den Vater verlor er bereits im Alter von vier Jahren. Bereits im Gymnasi-um erkennt Lanzinger seine Liebe zur Malerei,

 

 

welche ihn 1901 in die Akademie der Bilden-den Künste Wien eintreten lässt. Der junge Künstler stach durch seinen Fleiß hervor und gewann eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Preisen und Stipendien. Lanzinger

Ein Rezensent findet, dass eine der ersten großen Kompositionen Lanzingers durch eine außerordentliche Einfachheit und durch die zarten Farbentöne wirkt.

1908 schloss Lanzinger die Akademieaus-bildung ab und konnte durch Stipendien in Städte wie Florenz, Rom, Paris reisen. Im Frühjahr 1911 stellte Lanzinger erstmals seine Bilder vor großem Publikum an der 38. Aus-stellung der Wiener Secession aus. Auch wenn er jetzt ein angesehener Künstler Österreichs war, nahm er nur an wenigen Ausstellungen teil und wurde weder Mitglied der Sezession noch anderer Vereine, wie dem konservativen Künstlerhaus oder dem Hagenbund.

Johanna Settari

 

7.2.1. Hubert Lanzinger und Pia Settari

In Bozen lernte er seine zukünftige Frau, Pia Settari, kennen, welche er im Dezember 1916 ehelichte. Bis zum Ende des Krieges war der Künstler in verschiedenen Frontabschnitten als Kriegsmaler tätig, wo sich seine Portraitma-lerei etablierte.

Nach dem Krieg sahen sich Hubert und Pia ge-zwungen, aufgrund der wirtschaftlichen Not und der unstabilen politischen Verhältnisse, nach Innsbruck zu ziehen. Dort blieb der fi-nanzielle Erfolg jedoch aus und Lanzinger zog in die Heimat seiner Frau, nach Bozen, wo er die Meisterklasse an der Gewerbeschule seines ehemaligen und nun in den USA weilenden Lehrers Alois Delueg übernahm.

7.2.2. Dreikirchen

Lanzinger errichtete in den 1920er Jahren, in der Sommerfrische seiner Frau Pia und deren Familie, das “Bödele”, von dem Entwurf des damals jungen Architekten Lois Welzenba-cher. Jedoch arbeitete er die Pläne nach sei-nem Geschmack um. Es war ein schlichtes Berghaus mit Küche, zwei Schlafräumen und einem Atelier, in dem die Familie den Großteil des Jahres, außer den Wintermonaten, ver-brachte.

 

 

Skizzen für den Neubau des “Bödeles” “Bödele” nach Fertigstellung


Die Bilder Lanzingers befassten sich nun fast ausschließlich mit seiner Umgebung, mit dem Ausblick von seinem Atelier auf den Schlern, mit den Lärchen und Birken vor seinem Haus und dem engen Eisacktal, der kleinen Stadt Klausen. Diese Bilder waren jedoch keine rea-listischen Abbilder der Natur, sondern eher Stimmungsbilder seiner eigenen Sehnsüchte und Träume. Die vielen Portraitaufträge ver-schafften dem Künstler eine finanzielle Absi-cherung; er hatte die Stellung als einer der besten Porträtisten Tirols eingenommen. Berühmte Porträts dieser Zeit sind beispiels-weise das des Bozner Rechtsanwalts Eduard Reut-Nicolussi und Viktor Perathoners. Seine Werke sind charakterisiert durch seine Pastell-technik, die naturalistische Gesichtsmodel-lierung und den stilisierten Körperumriss, wel-cher die Dargestellten dem direkten Zugriff der Wirklichkeit entzieht.

Lanzinger stellte nie Skizzen aus, sondern nur seine vollendeten, bis ins kleinste Detail ausgeführen Bilder.

 

 

7.2.2.1. Briol

Die 1897 errichtete Pension wurde um 1928 von Johanna Settari und deren Schwiegersohn Hubert Lanzinger umgebaut. Dieses Gebäude wird als “wegweisendes Baudenkmal für die Neue Sachlichkeit” beschrieben. Lanzinger designte auch große Teile der Innenarchitek-tur, wie Stühle, Tische, Karaffen etc. und fügte dem kubischen Baukörper in-nen und außen eine dekorative Wandbema-lung hinzu. Die oberen Geschosse liegen auf weißen Säulen über der sonnigen Veranda. Ihre großen Fenster machen die Räume hell und luftig und die gelb-grünen Fensterläden spiegeln die Farbe der Wiese wider. Neben

 

 

dem Gebäude liegt ein kleiner, runder Quell-Wasserpool.


Schwimmbad neben Briol

 

Umbau Briol 1928

“Die universelle Harmonie von Haus und Umgebung spiegelt sich bis zur Vollendung auch im Inneren wider, wo in bester Bauhausmanier ein Gesamtkunstwerk geschaffen

 

 

wurde und vom Geschirr über die Einrichtung bis zur Farbgebung alles aufeinander abge-stimmt ist”

 

Milchkännchen

 

 

7.2.3. Lanzinger und Adolf Hitler

1933, im Jahr der Machtergreifung Hitlers, nahm sich Lanzinger ein Wohnatelier in Mün-chen, und machte sich an daran, im bereits 1910 geschaffenen Bild “Reiter mit Fahne” die Fahne durch eine Hakenkreuz-Fahne und den behelmten Ritterkopf durch das Profil des “Führers” zu ersetzen. Dieses Werk, das nun “Der Bannerträger” betitelt wurde, erregte so-fort großes Aufsehen und bei Hitler und sei-nem Führungsstab Zustimmung: Lanzinger schenkte es Hitler als Zeichen seiner Bewun-derung.

Der Bannerträger

Bald darauf wurde Lanzinger beauftragt, die Propagandakarte für den Reichstag in Mün-chen zu gestalten. “Der Bannerträger” war an-geblich das am meisten reproduzierte Bild des “Dritten Reichs”. Mit dem Anschluss Öster-reichs an das Deutsche Reich wurde Lanzinger einer der renommiertesten Künstler des “Drit-ten Reichs”.

Durch Bombenangriffe (16.Dezember 1944) auf Innsbruck und München wurden sowohl das Atelier in Innsbruck als auch jenes in München zerstört. “Der Bannerträger” wurde von einem amerikanischen Soldaten mit einem Speer durchstoßen und ging als “Paradebei-spiel des NS-Kitsches” in die Geschichte ein. Lanzinger kehrte 1945 nach Dreikirchen zu-rück, trat jedoch mit seinen Werken nicht mehr an die Öffentlichkeit und kam mit der Vergangenheit nicht mehr ins Reine. Bis zu seinem Tod 1950 – Lanzinger starb in Bozen an ei-nem Schlag-anfall – war er davon überzeugt, mit seiner Kunst den einzig richtigen Weg gegangen zu sein.

7.2.4..Briol und Peter Zumthor – Fünf Baumhäuser im Hang

Peter Zumthor ist einer der bekanntesten Ar-chitekten der Schweiz, der wegen Projekten wie den Umbau der Therme in Vals oder dem Kunsthaus in Bregenz bekannt ist.

Im Graubündner Bergdorf Vals wurde 1996 nach seinen Entwürfen eine Felsentherme eröffnet. Die Therme bohrt sich innerhalb des aus den 60er Jahren stammenden Hotelkom-plexes in den Hang und lässt somit nur eine talseitige Fassade erkennen, die den Rhythmus der Hänge, die sie umgeben, aufnimmt. Die re-duzierten Materialien von Gneis, Wasser, Glas und matt gebürstetem Messing schaffen mit dem Ausblick auf Heuschober und Bauern-

 

häuser eine einzigartige Atmosphäre von Ruhe und Einheit.


Therme Vals (Graubünden)

Peter Zumthor wurde 2009 beauftragt, Briol zu erweitern.

Das Projekt, welches Peter Zumthor entworfen hat, sieht fünf aufgestelzte Baumhäuser vor, die im steilen Gelände zwischen die Bäume eingebettet werden sollen. Die Holzhütten sind von verschiedener Größe, haben jedoch alle eines gemeinsam: den Blick in die Dolomiten. Die Baumhäuser sollten wintertauglich sein und sind im Kontext mit Briol zu sehen, liegen jedoch wie alle Häuser in Dreikirchen auf Ruf- aber nicht in Sichtweite auseinander. Jedes Baumhaus soll jeweils nur ein Gästepaar be-herbergen. Die Häuser werden ganz reduziert; er werden klare Einheiten aus Glas und Holz geschaffen.

 

 

Skizze für “5 Baum-häuser im Hang”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

” Aus massivem Holz gebaute Räume- aus richtigem Holz, nicht aus Holzplatten- haben eine unglaubliche Ausstrahlung und Präsenz; sie tun dem Körper gut.”

 

 

 

 

Peter Zumthor in Briol

 

NACHWORT

Die Recherche zu dieser Facharbeit hat mir selbst Einblick in die Geschichten meiner Vorfahren gewährt, in die Bozner Traditionen im Sommer, hauptsächlich natürlich in die der Sommerfrische. Es war eine Erlebnisreise durch das 19. und 20. Jahrhundert. Ich selbst fühle mich sehr verbunden mit dem Berg Johannas, mit Drei-kirchen. Solche Orte werden immer seltener und sollten vor allem geschützt werden.

 

 


 

Vor einigen Jahren haben sich einige dieser besonderen Orte zusammengeschlossen und eine Gemeinschaft gegründet, die “Idyllischen Plätze”, wo mein Onkel mit seinem “Gasthof Bad Dreikirchen”, auch Mitglied ist.

Diese Gemeinschaft legt Wert auf die Erhal-tung des Besonderen, der Idylle, wo nicht nur die Gebäude selbst, sondern auch das ganze Ambiente eine wichtige Rolle spielen.

Ich hoffe, dass diese Orte, je-doch vor allem Dreikirchen, so erhalten bleiben, wie sie sind und dass sich das Bewusstsein der Bevölkerung bezüglich dieser Orte ändert und man nicht mehr nur an das Verbauen unserer Landschaft denkt, sondern anfängt die Ein-maligkeit des Vorhandenen zu schätzten.

 

Marillenmarmelade

9.0.QUELLENVERZEICHNIS

9.1. Textquellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Lois_Welzenbacher 21.05.2012

9.1.2. Bücherquellen:

Autonome Provinz Bozen Heubäder und Heilquellen in Südtirol, Bozen 1992

Caramelle, Franz in “Dolomiten” “Historischer Gastbetrieb des Jahres 2012″, 8./9.10.2011,S.14

Demar, Klaus “Die Sommerfrische auf dem Ritten”, Bozen 1983

Grieser, Dietmar “Im Rosengarten”, St.Pölten 1979

Hauser, Sigrid “Idee, Skizze, … Foto” Wien 1990

 

 

Hoeniger, Karl, Der Schlern,
Heft 6 (Oktober 1966)

Hoffensthal, Hans von: Abschied von Oberbozen, Bozen 1930

Kofler, Erich “Ein Sommer in Dreikirchen”, Bozen 1996

Krasny, Elke “Frische und Kühlung nehmen” in Kos,Wolfgang, Schreibtisch mit Aussicht: österreichische Schriftsteller auf Sommerfrische, Wien 1995

Kraus, Carl, “Hubert Lanzinger” Monographien Südtiroler Künstler, Athesia, Bozen 2000

Lehne, Inge, “Dreikirchen-eine Sommerfrische und fast eine Weltanschauung” in Arberer, Michael “Barbian: eine Gemeinde stellt sich vor”, Barbian 2003

Michel, ,Mathias, “Briol-Sommerfrische am Berg;” Tappeiner Verlag, Lana 2011

Settari, Alexandra, “Johannas Erben.Dreikirchens Familiengeschichten”, Athesia, Bozen 2004

Studienarbeiten der Uni IBK und TU München “Lois Welzenbacher – Architekturmodelle”, Institut für Raumgestaltung der Universität Innsbruck, Innsbruck 1990

Zumthor, Peter in “Badefreuden”, Meder, Iris, Wien 2011

z.T. auch mündliche Überlieferungen

9.1.1. elektronische Quellen:

http://www.provinz.bz.it/ensembleschutz/ensembles.asp © 2012 Autonome Provinz Bozen – Südtirol | Ensembleschutz 14.05.2012

http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Lokal/Historischer-Gastbetrieb-des-Jahres-2012-ist-die-Pension-Briol-in-Barbian 14.05.2012

http://www.briol.it/storia-d.htm 13.05.2012

http://www.nzz.ch/2006/02/17/fe/articleDL6B8.html
26.05.2012

http://www.exparch.at/index.php?option=com_content&task=view&id=541&Itemid=87
12.05.2012

9.2.Bildquellen

Clara Pohl S. 1, 3-6, 11-13, 16, 18-23, 25, 32-34, 39-42, 56-58, 60, 62;

Mathias Michel “Briol-Sommerfrische am Berg;” Tappeiner Verlag, Lana 2011 S.7, 26 – 31, 35, 36, 44-46, 48-50, 54, 55;

http://zugspitzregion.bayern-online.de/uploads/pics/murnau_kandinsky_malklasse_phalanx.jpg S.10 24.05.2012

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/5/51/8_Bozner_Seligkeiten.jpg/378px-8_Bozner_Seligkeiten.jpg S.14 23.05.2012

http://murnau.de/portal/sommerfrische/images/sommerfrischler.jpg S.15 12.05.2012

http://farm7.staticflickr.com/6100/6257994783_80d41e2a9c.jpg S.8 13.05.2012

http://de.travello.com/f/p/2008/10/20/27704.l.jpg
S.9 22.05.2012

http://www.ushmm.org/propaganda/assets/images/500x/painting-the-standard-bearer.jpg
S.51 25.05.2012

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.data.image.w/w447674a.jpg
S.38 10.05.2012

http://lh3.ggpht.com/-X8dhstr2MKI/TOd_ILQvcGI/AAAAAAAAC3g/ZhjheAs6Zn4/Hubert%252520Lanzinger%252520%2525281 880-1950%252529.jpg S.43 23.05.2012

http://www.thule-italia.com/Wordpress%20galleria/wp-content/gallery/lanzinger/lanz18.jpg
S.44 23.05.2012

http://www.thule-italia.com/Wordpress%20galleria/wp-content/gallery/lanzinger/briol2.jpg S.50 23.05.2012

http://www.thule-italia.com/Wordpress%20galleria/wp-content/gallery/lanzinger/lanz5.jpg S.52 24.05.2012

http://design.nzzdomizil.ch/images/therme_vals_1.2398138.1239719956.jpg S.53 24.05.2012