Nov 05

Phänomen Sommerfrische

PHÄNOMEN SOMMERFRISCHE

 

 

 

 

 

ERKLÄRT AM BEISPIEL DREIKIRCHEN

INHALTSVERZEICHNIS

1.0. VORWORT
4

2.0. ENSEMBLESCHUTZ
7

3.0. DIE SOMMERFRISCHE
10

3.1. Vorgeschichte
10
3.2. Allgemein
11 3.3. Südtirol und der Ursprung der Sommerfrische
13

4.0. DREIKIRCHEN
18

4.1.Umgebung
18 4.2.Der Dreikirchner Berg
19 4.3.Der Ursprung
21

 

4.4.Die Kirchen
22 4.5.Dreikirchen als Kurort
23

 

5.0.DREIKIRCHEN – SOMMERFRISCHE DER BESONDEREN ART
25

5.1.Johanna Ringler und Heinrich Settari 26 5.2. Das “Großtantentum”
30 5.3. Verwandtschaft heute
32

6.0. DIE SOMMERHÄUSER
35 6.1. Die einzelnen Häuser
35

 

 

7.0. EINFLÜSSE ZWEIER MIT DREIKIRCHEN VERBUNDENER ARCHITEKTEN
37

7.1. Lois Welzenbacher

37
7.1.1. Kaffeemühle
39 7.1.2. Haus Baldauf
42

7.2. Hubert Lanzinger

43 7.2.1. Hubert Lanzinger und Pia Settari
45 7.2.2. Dreikirchen
46 7.2.2.1 Briol
48 7.2.3. Huber Lanzinger und Adolf Hitler
51 7.2.4. Briol und Architekt Peter Zumthor – fünf Baumhäuser im Hang
53

 

8.0. NACHWORT
56

9.0. QUELLENVERZEICHNIS
59 9.1. Textquellen
59 9.1.1. elektronische Quellen
60 9.2. Bildquellen
61
Nachtfalter

1.0. VORWORT

Kinder klettern auf die Jahrzehnte alte Kastanie, essen Kuchen mit viel zu großen Gabeln, spielen in der Sandkiste. Eine Frau steht auf der Terrasse, den Blick ins Weite, die Schwingtüre quietscht, sonst hört man nichts; kein Auto, keinen Lärm, keinen Verkehr. Es herrscht Stille an diesem Ort. Eine wunderbar ruhige Stille. Man hört die Vögel, Kindergelächter, den Wind, das Rauschen der Blätter.

Es ist Ende April und der Berg erwacht langsam aus seinem Winterschlaf. Dort wo vor zwei Wo-chen noch Schnee lag, sprießt jetzt erster Löwen-zahn aus dem saftigen Grün. Die altgelben Tisch-decken zieren die Tische der Terrasse, die Gera-nien blühen und die Wäsche trocknet in der Sonne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist alles so, wie es immer war, und doch ganz anders. Auf den Bergen liegt noch Schnee, im Tal blühen die Narzissen. Die Stille umhüllt einen, lässt einen nicht mehr los, gibt einem ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz.


Blumenwiese in Dreikirchen

Sommerfrische. Zeit. Sommer. Natur. Stille. Rückzug. Freiheit. Kindheit. Wanderungen. Waldbeeren. Holzhütten. Wasserfälle. Lagerfeuer. Blumensträuße. Hollersaft. Verwandtschaft. Freundschaften.

Drei Monate, drei lange Monate verbrachte ich jedes Jahr in der Sommerfrische, spielte mit meinen Brüdern und Verwandten, baute Holzhütten, pflückte Blumen und sammelte Beeren, unternahm Entdeckungswanderungen und half meiner Mutter dabei, Marmelade zu machen. Es waren die schönsten Monate des Jahres, ich war frei, konnte tun und lassen was ich wollte und sah alle meine Verwandten wieder. Alles ist so, wie es immer war, und doch ganz anders.

Dreikirchen ist für mich ein magischer Ort, ein kleines Stück Himmel auf Erden, ein Paradies. Man kann den Ort nur zu Fuß erreichen – solange man hier nicht ansässig ist – oder mit dem Bergtaxi. Dieses Plätzchen ist Teil meines Lebens und erzählt seine ganz eigene Geschichte. Speckknödel

Es ist meine Geschichte, die Geschichte meiner Familie, beginnend mit meinen Ur-ur-Großeltern. Auch wenn ich nicht mehr drei Monate hier verbringe, auch wenn es mich oft mehr in die große weite Welt zieht als in unser kleines Häuschen in Dreikirchen, fühle ich mich doch immer tief verbunden mit diesem Ort, und wünsche mir, dass er immer so bleibt, wie ich ihn erlebe, dass sich nichts ins Negative verändert und ich hier alt und grau werde, wie meine Urgroßtanten es wurden.

Ich habe mich entschlossen dies alles hier festzuhalten, diese, meine Geschichte weiterzugeben. In diesen Seiten will ich den Mythos Sommerfrische erläutern, die Geschichte der Rittner und meiner ganz eigenen, der Dreikirchner Sommerfrische erzählen. Ich will die Sommerfrische nicht in Vergessenheit geraten lassen, will über das Leben einiger wichtiger Personen und deren Verbundenheit mit Dreikirchen berichten und von alter Architektur und neuen Projekten erzählen.

  1. ENSEMBLESCHUTZ

Das Bad, die drei Kirchlein, die Bäume und Steine

Beobachtet man den Gasthof Bad Dreikirchen aus der Luft, erkennt man, dass er das gleiche Schindeldach hat wie die drei daneben-liegenden Kirchen. Dieses Dach darf nicht verändert werden, da es zu einem Ensemble gehört.

Ein weiteres, wichtiges Beispiel für Ensembles ist das kleine Dorf Corippo, welches im Schweizer Tessin liegt und dessen Häuser und Dächer alle aus dem gleichen Stein errichtet wurden.

 

Doch was sind Ensembles?

Bei Ensembles handelt es sich nicht um einzelne Bauten oder Häuser, sondern um ein Zusammenspiel von mehreren Objekten. Diese Objekte erzählen meist eine Geschichte über Mensch und Natur und bieten Einblick in die lokale und regionale Identität.

Man beachtet beim Ensembleschutz das äußere Erscheinungsbild und die Verbindung der in einer Beziehung stehenden Objekte.

In Südtirol gibt es seit April 2004 zehn von der Landesregierung beschlossene Kriterien für die Festlegung eines Ensembles.

 

 

“Steindorf” Corippo, Valle Verzasca, Tessin

Unterschied zwischen Ensemble- und Denkmal- und Landschaftsschutz

Der erste Unterschied ist der, dass die Gemeinde selbst den Ensembleschutz umsetzen kann. Somit kann diese selbst entscheiden, welche Anlagen für das jeweilige Dorf wichtig sind und diese schützen.

Der zweite Unterschied liegt darin, dass beim Ensembleschutz im Gegensatz zum Denkmalschutz meistens weitergebaut werden darf, jedoch gibt es bestimmte Vorschriften und Regeln, die den zukünftigen Bau eingrenzen und kontrollieren, sodass nicht nach Belieben einfach etwas Neues erstellt werden kann.

Der Ensembleschutz soll somit helfen, Entwicklungsmaßnahmen zu setzen, welche die Orte und Plätze vor negativen Bauten bzw. Umbauten schützen sollen.

Ein weiteres Beispiel für Ensembles: die
Turmhäuser von Vathi auf Mani, Peloponnes

3. DIE SOMMERFRISCHE

3.1. Vorgeschichte:

Schon in der Antike übersiedelte der Adel im Sommer von der Stadt auf den Landsitz, wobei dies u.a. wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass man das Land im Sommer zu bewirtschaften hatte.

Auch in der Renaissance und im Barock zog die Aristokratie zu Beginn des Sommers vom Stadtpalais bzw. Winterschloss in das Sommerschloss.

Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Sommerfrische fester Bestandteil des Sommerlebens der Aristokratie und des

wohlhabenden Bürgertums. Jene, die sich keinen eigenen Sommeransitz leisten konnten, quartierten sich in Gasthäusern ein. Somit ist die Sommerfrische eng mit dem Beginn des Tourismus verbunden.

3.2. Allgemein:

Während der Sommer des 19. Jahrhunderts wurde der Aufenthalt in den inzwischen industrialisierten und überbevölkerten Städten unerträglich und die Bevölkerung sehnte sich nach Kühle, nach sattem Grün, rieselndem Wasser und Sonnenstrahlen. Kurzum, die Städter wollten aufs Land. Doch waren es zu dieser Zeit nur wenige, privilegierte, wohlhabende Bürger bzw. Aristokraten, die sich diesen Luxus leisten konnten; der größte Teil der Stadtbevölkerung musste in jener verweilen, da die Arbeit einen “Urlaub” nicht gestattete. Auch die Familienväter der “Sommerfrischler” flohen nur über die Wochenenden in die Kühle.

 

“Marell” und “Urbele” , Dreikirchen

 

 

Diejenigen, die in die Sommerfrische aufbrechen konnten, um dort ihr Arbeitsrevier auf Zeit aufzuschlagen, waren die Künstler, die ihre Arbeit einfach aufs Land verlegten. Damals wie heute war das Bild der Sommerfrische durch Künstler, Komponisten und Literaten geprägt, welche aufs Land flüchteten um sich inspirieren zu lassen, wie beispielsweise Heimito von Doderer, der den Riegelhof in Prein an der Rax zum Schauplatz der “Strudelhofstiege” machte. Man liebte die Sommerfrische wegen ihrer Landschaft, Abgeschiedenheit und den intellektuellen Begegnungen mit anderen Landschafts- und Abgeschiedenheitssuchenden.

Die Sommerfrische ist ein System des Vertauschens: Hitze gegen Kühle, Alltägliches gegen Mögliches, Häusermeer gegen Grünblick oder Arbeitszeit gegen Erholungsaufenthalt. Terrasse Doktorhaus

3.3. Südtirol und der Ursprung der Sommerfrische

“Ganz unerlässlich ist zum Dritten, ein Sommerfrischhaus am luftigen Ritten[…]”

Der Begriff “Sommerfrische” wurde vom venezianischen “prendere il fresco” abgeleitet und etablierte sich im Bozner Raum schon im 17. Jahrhundert, da die Bürger aus dem heißen Talkessel in die kühlen Sommerhäuser zogen. Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm (1905) wird der Ausdruck als “Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit”

 

 

oder “Land Lust der Städter im Sommer” definiert.

Ausblick vom “Rittner Bahnl”

 

In der Zeit vom 29. Juni (Peter und Paul) bis zum 8. September (Maria Geburt) waren die Bozner Familien am Ritten. Die Sommer-frische war mehr als nur die Flucht vor der Hitze der Stadt, sie war Ausdruck der gesell-schaftlichen Offensive, das Bürgertum konnte sich nun auch ein adeliges Statusmerkmal leisten: den zweiten Wohnsitz.

Anfänglich galten Lengmoos und Klobenstein als die schönsten Sommerfrischorte, jedoch etablierte sich am Ende des 17. Jahrhunderts Oberbozen als der Sommerfrischort, wo Adelige und Bürger inmitten von Parkanlagen und Wäldern ihre Sommerfrischhäuser bauten.


Zu Beginn des Sommers wurden die Bozner samt Gepäck, welches sich in den sogenannten Pennen (große Flechtenkörbe) befand, auf einem niedrigen Radgestell von einem Ochsengespann über einen steilen Weg den Rittner Berg hinaufgezogen.

Zum Zeitvertreib gab es allerhand Veran-staltungen, wie Theateraufführungen und Musikkonzerte, Picknicks (damals “Porta-tecum” genannt) und Kahnfahrten am Wolfsgrubner See etc.

Die Sommerfrischler unterschieden sich durch den “Rittner Mantel”, einer weiß gewalkten Pelerine mit rotem oder schwarzem Kragen, von den Einheimischen.

 



“Sommerfrischler” in Murnau, Bayern

 

Einer der wichtigsten Zeitvertreibe der Rittner Sommerfrischler war der Schießstand. Die erste Schützengesellschaft wurde 1668 gegründet. Das gesellige Leben am Schießstand wird durch die prachtvollen Schießstandscheiben und die “Schieß-standmelodie” (jeder Treffer der Schützen wurde durch die entsprechende Melodie und einen Tanz gezeigt), veranschaulicht. Der Schießstand war jedoch nicht nur Treffpunkt der Schießgesellschaft, sondern auch Schauplatz ausgelassener Tanzveran-staltungen, wo auch verschiedene Gesell-schaftsspiele, wie z.B. das Karten- und Billardspiel, eine wichtige Rolle spielten. Meist wurden diese Spiele musikalisch umrahmt.

“Freiluftsalons” entstanden, da man die Gesellschaft in die umliegenden Gärten, Wälder oder Parks einlud, Tanzböden errichtete und Musik organisierte.

Panorama von der “Schlernbank” (Dreikirchen)

 

Ein Zitat aus Hans von Hoffensthals soll uns einen Eindruck in die Geselligkeiten am Ritten während der warmen Sommermonate geben:

[…] Und dann, wenn die friedlichen Som-mernächte am schönsten waren, der runde Mond blutig und zitternd über den Rosen-garten emporstieg, wanderten wir in den weißen Mänteln schwärmend Waldwege und Lindensteige aus, hatten die Sehnsucht des Reifens in uns und spähten heimlich verlan-gend, hinterm Buschwerk versteckt, in eben-erdig, hellerleuchtete Stuben, wo die Großen beisammensaßen und sich unterhielten, Kar-ten spielten oder freundlichen alten Quartetten lauschten. Und wieder ein anderes Jahr bekamen wir Jungen dort Zutritt, saßen artig mitten unter den beneidete Großen, redeten ein Kluges und Verschämtes mit den Mädchen und waren eifrig dabei, wenn der Saal geräumt wurde und statt der geruhigen Weisen von Mozart oder Haydn, Walzer von Strauß und Waldteufel die Alten kichern und träumen und uns tanzen machten.”

 

 

 

Hans von Hoffensthal

4.0. DREIKIRCHEN

4.1. Umgebung

Dreikirchen liegt über dem Eisacktal, circa 400m über dem Ort Waidbruck, welcher an der engsten Stelle des Tals liegt und den schmalen Eingang zum Grödnertal kenn-zeichnet. Richtung Osten führt eine Serpentinenstraße nach Barbian, einer kleinen Ortschaft mit altem Kern und schiefem Kirchturm, das auch “Zwetschgenparadies der Eisacktals” genannt wird.

In der Räterzeit zog hier schon der alte Fernweg über den Ritten

 

 

vorbei, der später zur Hauptverbindung zwischen Brenner und Bozen wurde, jedoch im Laufe der Zeit mehrmals seinen Verlauf änderte.

4.2. Der Dreikirchner Berg

Dreikirchen gehört zur Gemeinde Barbian und liegt auf der Ostseite der Rittner Horns, circa 250m oberhalb von Barbian. Der Ort ist über den ganzen Berghang verteilt; seinen niedrig-sten Punkt kennzeichnet das Gehöft Burgstall (1070m), seinen Höchsten der Stangenhof auf 1342m. Dreikirchen ist kein Dorf, obwohl es drei Einkehrmöglichkeiten und drei Kirchen gibt; vielleicht liegt dies daran, dass man den Ort nicht als solchen wahrnimmt. Es gibt keinen Dorfkern, die Häuser liegen im Wald verborgen, passen sich der Natur an und sind meist nur durch Pfade miteinander verbunden. Die meisten Häuser bleiben im Verborgenen,

 

 

da die Touristenwege nur an wenigen Gebäuden vorbeiführen. Garten “Mimihäusl”

Auch wenn die Häuser teilweise ziemlich nahe beieinander stehen, sind sie durch die Vege-tation so voneinander getrennt, sodass jedes den Anschein erweckt, es stehe ganz alleine im Wald.

Von dem von Wiesen und Wäldern geprägten Berghang kann man auf das Dolomiten-panorama blicken und auf die unzähligen Kirch- und Schlosstürme, die im Eisacktal verteilt liegen.

Man möchte meinen, dass Dreikirchen wegen des Besuches so zahlreicher Gäste und Wan-derer überlaufen ist. Dem ist aber nicht so: Jeder findet sein Ruheplätzchen zum Schrei-ben, Malen und Hinausschauen in das fried-volle Land. Man begegnet sich auf den meist steilen Wegen […], grüßt sich – und lässt sich in Ruhe.”

4.3. Der Ursprung

Dreikirchen setzt sich aus einer Vielzahl von Elementen zusammen: Wasserheiligtum, Badeort, Raststätte, Taverne, Wallfahrtsort, Weihestätte, Einsiedelei, Kurort, Sommerfrische usw. Diese Bedeutungen sind eng miteinander verknüpft, und die Schwerpunkte haben sich im Laufe der Zeit verschoben. Der Aspekt der Touristenattraktion kommt wegen der drei eng ineinander verschachtelten Kirchen oder der zum Teil architektonisch sehr interessanten Sommerfrischhäuser hinzu.

Im Mittelalter nannte sich die Gegend um Dreikirchen “St. Gertraud Mulgrei im Wald”, jedoch gibt es keine Urkunden zur Entstehung

 

des Ortes, sondern nur einige Theorien über seinen Ursprung.

 

Blick von der “Schlernbank”

4.4. Die Kirchen

Die drei Kirchen befinden sich oberhalb des Gasthofs und ihre Entstehungsgeschichte ist aufgrund fehlender Urkunden immer noch sehr ungenau und verschwommen. Man ver-mutet, die Kirchen seien Anfang des 14. Jahr-hunderts entstanden.

Die Namen der Kirchen (Magdalena, Niko-laus, Gertraud) geben wichtige Hinweise auf ihre Geschichte und die Kulturgeschichte der Region. Sowohl die hl. Gertraud als auch der hl. Nikolaus sind Schutzpatronen der Reisen-den. Dies weist auf den alten Weg der Räter über den Ritten hin. Somit kann auch das Vor-handensein einer Taverne erklärt werden.

 

Die hl. Magdalena schließlich gilt als Patronin der Einsiedler.

 

Die drei Kirchlein

 

4.5. Dreikirchen als Kurort

Dreikirchen wurde schon sehr früh zu einer Badeanstalt, die auf den Grundmauern der 1315 erbauten Taverne errichtet wurde, hatte jedoch bis zum Anfang der 18. Jahrhunderts eine eher geringe Bedeutung.

Im Jahre 1734 erwarb der Wirt Anton Ringler in Kollmann das Wirtshaus zum Weißen Kreuz, zu dessen Besitz auch das Badhaus mit Taverne in Dreikirchen gehörte. Der Besitz blieb in der Familie Ringler, 1811 wurde das Badhaus erweitert und das Heilwasser wurde durch Holzröhren direkt zum Haus geleitet.

 

 

Um 1855 zählte der Kurort schon mehr als 400 Badegäste und wurde durch den damaligen Besitzer, Joseph Ringler, erneut erweitert und ausgebaut. Trinkquelle

Die drei Heilquellen befinden sich etwa 200m oberhalb des Bades. Zwei von ihnen haben eine alkalisch-salinische Zusammensetzung, die dritte besteht aus alaunhaltigem Bitter-wasser. Auf Höhe des Bades befindet sich eine weitere Quelle, die als Trinkquelle benutzt wird.

Die Bade- und Trinkkuren wurden während eines empfohlenen 14- bis 20-tägigen Aufent-haltes im Badgasthof durchgeführt und halfen gegen Krankheiten des Magens, des Darmes, gegen Rückenmarks-, Nieren- und Blasenlei-den, Rheumatismus und Gicht, Erkrankungen der Atemwege und Regelbeschwerden.

 

Jedoch hatte neben dem Wasser auch die geschützte Höhenlage mit ihrem gleich-mäßigen, sonnigen, aber kühlen Klima und die erholsamen Spaziergänge eine heilende Wir-kung auf die Gäste.

Postkarte

5. DREIKIRCHEN – SOMMERFRISCHE DER BESONDEREN ART

“Dreikirchen”, hat einmal jemand gesagt “ist eine Weltanschauung”. Es ist nicht leicht die Weltanschauung zu beschreiben. Es ist die Freude an der Natur – Umweltbewusstsein heißt das heute- ein bisschen- ja, doch Ein-siedlertum, ein bisschen Geselligkeit, es ist ein Stück Absage an den Lärm der Welt und ein Stück Verwurzelung – es ist die Einstellung, das Ererbte zu bewahren – es ist Dankbarkeit für eine Heimat.

 

 

 

Blick auf den Schlern

 

5.1. Heinrich Settari und Johanna Ringler

Diese, meine Familiengeschichte hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Die Geschichte beginnt mit der Hochzeit meiner beiden Ur-ur-Großeltern: der Bozner Kaufmann Heinrich Settari, Inhaber der Bozner Porzellanwaren-handlung “Zimmermann”, vermählte sich um 1880 mit der Kreuzwirtstochter aus Kollmann, Johanna Ringler.

Johanna wünschte sich zur Geburt eines jeden Kindes von ihrem Mann anstatt Schmuck oder Gewänder ein Stück Wald oder ein Stück Wie-se in Dreikirchen. Da sie 15 Kinder auf die Welt brachte, gehörte schon bald der ganze Berg zum Familienbesitz der Settari. Johanna war eine sehr tüchtige Frau; sie errichtete für

 

jedes ihrer 15 Kinder ein Sommerfrischhaus auf diesem, ihrem Berg. Diese Häuser entwarf sie meistens sogar selbst und sie war auch stets bei den Bau-arbeiten anwesend.

Während Johanna mit dem Bau ihrer Häuser beschäftig war, baute Heinrich indes die erste Fahrweg von Waidbruck nach Barbian, um die Waren durch Fuhrwerke ins Dorf schaffen zu können. Zudem baute er das Badhaus aus. Sowohl die neuen Sommerfrischhäuser als auch die Verbindung zwischen Waidbruck und Barbian waren ein Neuanfang für den erblü-henden Fremdenverkehr in Südtirol. Die Häu-ser entstanden auf alten Grundmauern zerfal-lenden Hütten oder aus dem Nichts, waren nicht umzäunt und jedes hatte seinen ganz eigenen, privilegierten Platz, zwar in Ruf-weite, doch nicht in Sichtkontakt mit den anderen. Anfangs wurden sie noch im Schat-ten gebaut (blass zu sein war damals nobel), doch die ab den 1920er Jahren gebauten Häuser konnten sich sonniger Wiesen und eines freien Bergblickes erfreuen. Johanna Ringler-Settari


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Fertigstellung der Gebäude vermie-tete Johanna diese an Gäste aus aller Welt, wobei die ganze Familie im Sommer stets mithelfen musste, egal ob bei der Heuarbeit oder beim Aufräumen der Häuser.

Drei der 15 Kinder verstarben im Kindesalter, es verblieben zwei Jungen und zehn Mädchen (Dreikirchen trägt deshalb den Übernamen “der Berg der Tanten”). Johanna und Heinrich ermöglichten all ihren Töchtern, im Ausland einen Beruf zu erlernen, was damals ziemlich ungewöhnlich war; die Landbevölkerung ver-mutete: “[…]sie wurden weggeschickt, weil sie schwanger waren und die Kinder anderswo zur Welt bringen wollten”. Heuarbeit in Dreikirchen

 

5.2. “Das Großtantentum”

Die Kinder Heinrichs und Johannas waren somit in alle Welt verstreut. Tante Mimi bei-spielsweise liebte Orchideen und reiste mit einem befreundeten schwedischen Ehepaar in die Türkei um seltene Exemplare zu er-forschen. Karolin Anna war eine gute Pia-nistin, Tante Pia gelernte Hebamme, Tante Luise Gärtnerin. Leopoldine, meine Urgroßmutter, wurde in Paris als Krankenschwester ausgebildet und lernte dann am Krankenbett ihrer Nichte in Bozen den damals noch jungen Arzt Lorenz Böhler kennen und lieben, heiratete ihn und unterstützte ihn ein ganzes Leben bei seiner Arbeit. Lorenz Böhler war ein Pionier der Unfallchirurgie.

Diese “Tanten” kamen jeden Sommer in Drei-kirchen zusammen, jede in ihrem eigens für sie errichteten Haus. Dort empfingen sie ihre Gäste, schrieben Briefe, lasen Bücher und lu-den zum Tee. Da in Dreikirchen viele Wiesen und Wälder zum Allgemeinbesitz gehören, wurden oft Familienbesprechungen gehalten und Diskussionen geführt; allerdings wurden selten Entscheidungen getroffen.

Somit waren es in Dreikirchen von jeher die Frauen, welche das Sagen und die Kontrolle über den Berg hatten, und dann doch wichtige Entscheidungen trafen um den Platz zu schüt-zen und zu erhalten. Die meisten dieser Groß-tanten wurden sehr alt und verbrachten ihre letzten Tage vor oder in ihren Häuschen, die ihre Mutter, Johanna Settari, für sie errichten hatte lassen.


Mimi Settari – Tochter Johannas (1971)

Ethel Müller – noch lebende Enkelin Johannas 5.3. Verwandtschaft heute

Die Häuser wurden weitervererbt, wurden aufgeteilt und verkauft. Jedoch gilt eine eiser-ne Regel in Dreikirchen: Man darf die Häuser nur an die eigene Verwandtschaft verkaufen. Im Sommer kommen Verwandte zusammen, die mittlerweile in alle Teile der Welt zerstreut sind, genießen die Sommerfrische (auch wenn es meist nur ein paar Wochen sind), tauschen Erzählungen und Neuigkeiten aus, laden zu Tee und Kuchen oder zum Abendessen, unternehmen Wanderungen, besuchen Verwandte und laden Freunde ein. Die Kinder sehen ihre Cousins und Cousinen, bauen Holz-hütten, sogenannte “Lager” und bekriegen sich, indem sie sich mit Tannenzapfen bewer-fen, erzählen sich Gruselgeschichten und er-forschen die Wälder. Vieles hat sich verändert und doch bleibt immer alles beim Alten: man diskutiert über den Allgemein-besitz, setzt sich zur Wehr, damit Dreikirchen autofrei bleibt und dass keine Zäune errichtet werden. Der Ort vereint Menschen, die sich sonst wahr-scheinlich nie kennengelernt hätten. Plötzlich weiß man, wer sein Cousin dritten Grades ist und wie man verwandt ist. Es entstehen Freundschaften, man besucht sich auch in den Wintermonaten, wird eingeladen und lädt ein. Dreikirchen verbindet. Es verbindet eine ge-meinsame Einstellung, die Wertschätzung der Natur, der Ruhe und des Genießens. Es ver-bindet Menschen aus verschiedenen Gene-rationen, unterschiedlichen Städten und Län-dern und bringt sie jedes Jahr für ein paar Wo-chen zusammen, wo sie gemeinsam – und doch jeder für sich – diesen wunderbaren Platz ge-nießen können.

Die jüngste Generation Dreikirchens


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. DIE SOMMERHÄUSER

Da das 19. Jahrhundert die Zeit der vornehmen Blässe war, lagen die ersten Sommerfrisch-häuser im Schutz des Waldschattens. Die Gäste, die es im 19. Jahrhundert auf den Drei-kirchner Berg zog, wären niemals auf die Idee gekommen sich zu sonnen. Die Häuser hinge-gen, welche um 1920 errichtet wurden, sind wahre Sonnentempel, die auf vorspringenden Hügeln oder sonnigen Wiesenflächen liegen. Zu dieser Zeit wurde auch der Wald um die früher entstandenen Häuser ausgelichtet, da man anfing die Aussicht und das Licht zu genießen.




 

Aufgrund der Architektur, die sich nach For-men, Farben und Materialien der Gegend richtet, passen sich die Häuser perfekt der Natur an, sind ganz und gar in diese eingebet-tet; Gärten gibt und braucht es somit keine. Man genießt den Ausblick von Balkonen, Bänken und Veranden. Viele der Häuser ste-hen unter Denkmal- und Ensembleschutz.

 


 

 

7.0. EINFLÜSSE ZWEIER MIT DREIKIRCHEN VERBUNDENER ARCHITEKTEN

7.1. Lois Welzenbacher 1889-1955

Welzenbacher, der neben dem Schulbesuch auch eine Maurerlehre absolvierte, studierte sowohl an der Kunstgewerbeschule als auch an der Technischen Universität München Architektur, und wurde alsbald freier Architekt in München. Der junge Architekt war ein Vertreter der klassischen Moderne, setzte sich früh schon für Hochhausbauten ein und versuchte, seine Gebäude mit Kurven der Landschaft anzupassen. Er war der einzige österreichische Architekt, der auf der “International Style” Ausstellung im Jahr 1932

im Museum of Modern Art in New York ver-treten war.

 

 

 

Die Orte seines Schaffens waren Innsbruck, Salzburg und Wien, doch die Orte seiner Er-innerung lagen jedoch in Südtirol – Heimat seines Vaters. Welzenbacher wollte die Land-schaft durch seine Architektur einrahmen, be-grenzen und markieren – sie zum sichtbaren Erlebnis machen. Die Landschaft steht im Mit-telpunkt seiner Architektur, soll den Betrachter zum Protagonisten des Bildes werden lassen.

 

 

Welzenbacher: Haus Rosenbauer in Linz, 1929-1930

 

Einen besonderen Wert hat neben den Ent-würfen und der Ausführung auch die fotogra-fische Darstellung seiner Gebäude, die zum Vermittler seiner Konzepte und Ideen wird.


 

7.1.1. Die Kaffeemühle – Das “Mimihäusl”

Dieses architektonische Kunstwerk wurde 1923 für Mimi Settari erbaut. Die Räume sind spiralförmig um einen zentralen Kamin ange-ordnet; dies lässt das Haus sowohl futuristisch als auch geheimnisvoll, ja fast schon märchen-haft erscheinen.
Die Villa ist jedoch trotz ihres ungewöhnlichen Aussehens nahtlos in die Na-tur eingefügt. Ihr Grundriss passt sich sogar der Wegführung an. Die Lage des Hauses, seine Ausrichtung und die Kontur des Dach-randes sind von Sonne und Aussicht bestimmt. Das Dach soll die weiche, gebirgige Land-schaft nachmodellieren.

 

 

“Mimihäusl” (Haus Settari)

 

Der Spitzbogen als Eingangstür erinnert an die gotische Bauweise der Gegend, die Anord-nung der Zimmer und Fenster stellt eine enge Verbindung zwischen “Drinnen” und “Drau-ßen” her. Vom Mimihäusl hat man einen prachtvollen Ausblick in das untere Eisacktal, welchem das Dolomitenpanorama gegenüber-liegt. Da die Zufuhr von Materialien eher kompliziert war, versuchte man möglichst viele aus der unmittelbaren Umgebung zu verwenden, deshalb ist das Haus aus Kant-hölzern aus Lärchenholz, ausgesuchten Krümmlingen für das Zeltdach und Fels-stücken für die Mauerung gebaut worden.

 

 

 


Fenster der Kaffeemühle

 

 

“[…] Naturbedürfnis und Naturgefühl will der moderne Mensch in seinem Wohnen ausge-drückt wissen. Die Natur, nicht als Attrappe um das Haus herum, sondern das Haus selbst als Sonne atmender Organismus den Tages-zeiten zugewandt, gelockert in den Gliederun-gen des Grundrisses, mit großen Ausblicken auf die Landschaft, ein gleichsam zum Wesen erhobener Schnittpunkt all des Schönen außen […]”

 

 


Dachfenster der Kaffeemühle

 

 

7.1.2. Haus Baldauf

Das Haus Baldauf wurde im gleichen Jahr wie die “Kaffeemühle für die Schwester Mimi Settaris, Karolin–Anna,errichtet. Die beiden Häuser wurden im ähnlichen Baustil und mit den-selben Materialien gebaut. Trotzdem ist dieser Bau im Vergleich zum “Mimihäusl” schlichter und strenger, mit einem linearen Grundriss. Das Haus liegt auf einer von Lärchen umsäumten Lichtung, ist nur von einer bestimmten Fernsicht geprägt und somit ist der Ort weniger spektakulär, jedoch das Haus nicht weniger prägnant.

 

 

 


Haus Baldauf

7.2. Hubert Lanzinger

“Auf einen Künstler muss ich aufmerksam machen. In Wien soll ein ganz eminenter Ma-ler sein, der sich Lanzinger schreibt; er soll wenig ausstellen und von den Vereinigungen unterdrückt werden, soll aber wie gesagt, ein ganz großartiger Mensch sein. Er sei Tiroler und ein sehr famoser Mensch[…].”

Hubert Lanzinger wurde am 9. Oktober 1880 in Innsbruck geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Den Vater verlor er bereits im Alter von vier Jahren. Bereits im Gymnasi-um erkennt Lanzinger seine Liebe zur Malerei,

 

 

welche ihn 1901 in die Akademie der Bilden-den Künste Wien eintreten lässt. Der junge Künstler stach durch seinen Fleiß hervor und gewann eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Preisen und Stipendien. Lanzinger

Ein Rezensent findet, dass eine der ersten großen Kompositionen Lanzingers durch eine außerordentliche Einfachheit und durch die zarten Farbentöne wirkt.

1908 schloss Lanzinger die Akademieaus-bildung ab und konnte durch Stipendien in Städte wie Florenz, Rom, Paris reisen. Im Frühjahr 1911 stellte Lanzinger erstmals seine Bilder vor großem Publikum an der 38. Aus-stellung der Wiener Secession aus. Auch wenn er jetzt ein angesehener Künstler Österreichs war, nahm er nur an wenigen Ausstellungen teil und wurde weder Mitglied der Sezession noch anderer Vereine, wie dem konservativen Künstlerhaus oder dem Hagenbund.

Johanna Settari

 

7.2.1. Hubert Lanzinger und Pia Settari

In Bozen lernte er seine zukünftige Frau, Pia Settari, kennen, welche er im Dezember 1916 ehelichte. Bis zum Ende des Krieges war der Künstler in verschiedenen Frontabschnitten als Kriegsmaler tätig, wo sich seine Portraitma-lerei etablierte.

Nach dem Krieg sahen sich Hubert und Pia ge-zwungen, aufgrund der wirtschaftlichen Not und der unstabilen politischen Verhältnisse, nach Innsbruck zu ziehen. Dort blieb der fi-nanzielle Erfolg jedoch aus und Lanzinger zog in die Heimat seiner Frau, nach Bozen, wo er die Meisterklasse an der Gewerbeschule seines ehemaligen und nun in den USA weilenden Lehrers Alois Delueg übernahm.

7.2.2. Dreikirchen

Lanzinger errichtete in den 1920er Jahren, in der Sommerfrische seiner Frau Pia und deren Familie, das “Bödele”, von dem Entwurf des damals jungen Architekten Lois Welzenba-cher. Jedoch arbeitete er die Pläne nach sei-nem Geschmack um. Es war ein schlichtes Berghaus mit Küche, zwei Schlafräumen und einem Atelier, in dem die Familie den Großteil des Jahres, außer den Wintermonaten, ver-brachte.

 

 

Skizzen für den Neubau des “Bödeles” “Bödele” nach Fertigstellung


Die Bilder Lanzingers befassten sich nun fast ausschließlich mit seiner Umgebung, mit dem Ausblick von seinem Atelier auf den Schlern, mit den Lärchen und Birken vor seinem Haus und dem engen Eisacktal, der kleinen Stadt Klausen. Diese Bilder waren jedoch keine rea-listischen Abbilder der Natur, sondern eher Stimmungsbilder seiner eigenen Sehnsüchte und Träume. Die vielen Portraitaufträge ver-schafften dem Künstler eine finanzielle Absi-cherung; er hatte die Stellung als einer der besten Porträtisten Tirols eingenommen. Berühmte Porträts dieser Zeit sind beispiels-weise das des Bozner Rechtsanwalts Eduard Reut-Nicolussi und Viktor Perathoners. Seine Werke sind charakterisiert durch seine Pastell-technik, die naturalistische Gesichtsmodel-lierung und den stilisierten Körperumriss, wel-cher die Dargestellten dem direkten Zugriff der Wirklichkeit entzieht.

Lanzinger stellte nie Skizzen aus, sondern nur seine vollendeten, bis ins kleinste Detail ausgeführen Bilder.

 

 

7.2.2.1. Briol

Die 1897 errichtete Pension wurde um 1928 von Johanna Settari und deren Schwiegersohn Hubert Lanzinger umgebaut. Dieses Gebäude wird als “wegweisendes Baudenkmal für die Neue Sachlichkeit” beschrieben. Lanzinger designte auch große Teile der Innenarchitek-tur, wie Stühle, Tische, Karaffen etc. und fügte dem kubischen Baukörper in-nen und außen eine dekorative Wandbema-lung hinzu. Die oberen Geschosse liegen auf weißen Säulen über der sonnigen Veranda. Ihre großen Fenster machen die Räume hell und luftig und die gelb-grünen Fensterläden spiegeln die Farbe der Wiese wider. Neben

 

 

dem Gebäude liegt ein kleiner, runder Quell-Wasserpool.


Schwimmbad neben Briol

 

Umbau Briol 1928

“Die universelle Harmonie von Haus und Umgebung spiegelt sich bis zur Vollendung auch im Inneren wider, wo in bester Bauhausmanier ein Gesamtkunstwerk geschaffen

 

 

wurde und vom Geschirr über die Einrichtung bis zur Farbgebung alles aufeinander abge-stimmt ist”

 

Milchkännchen

 

 

7.2.3. Lanzinger und Adolf Hitler

1933, im Jahr der Machtergreifung Hitlers, nahm sich Lanzinger ein Wohnatelier in Mün-chen, und machte sich an daran, im bereits 1910 geschaffenen Bild “Reiter mit Fahne” die Fahne durch eine Hakenkreuz-Fahne und den behelmten Ritterkopf durch das Profil des “Führers” zu ersetzen. Dieses Werk, das nun “Der Bannerträger” betitelt wurde, erregte so-fort großes Aufsehen und bei Hitler und sei-nem Führungsstab Zustimmung: Lanzinger schenkte es Hitler als Zeichen seiner Bewun-derung.

Der Bannerträger

Bald darauf wurde Lanzinger beauftragt, die Propagandakarte für den Reichstag in Mün-chen zu gestalten. “Der Bannerträger” war an-geblich das am meisten reproduzierte Bild des “Dritten Reichs”. Mit dem Anschluss Öster-reichs an das Deutsche Reich wurde Lanzinger einer der renommiertesten Künstler des “Drit-ten Reichs”.

Durch Bombenangriffe (16.Dezember 1944) auf Innsbruck und München wurden sowohl das Atelier in Innsbruck als auch jenes in München zerstört. “Der Bannerträger” wurde von einem amerikanischen Soldaten mit einem Speer durchstoßen und ging als “Paradebei-spiel des NS-Kitsches” in die Geschichte ein. Lanzinger kehrte 1945 nach Dreikirchen zu-rück, trat jedoch mit seinen Werken nicht mehr an die Öffentlichkeit und kam mit der Vergangenheit nicht mehr ins Reine. Bis zu seinem Tod 1950 – Lanzinger starb in Bozen an ei-nem Schlag-anfall – war er davon überzeugt, mit seiner Kunst den einzig richtigen Weg gegangen zu sein.

7.2.4..Briol und Peter Zumthor – Fünf Baumhäuser im Hang

Peter Zumthor ist einer der bekanntesten Ar-chitekten der Schweiz, der wegen Projekten wie den Umbau der Therme in Vals oder dem Kunsthaus in Bregenz bekannt ist.

Im Graubündner Bergdorf Vals wurde 1996 nach seinen Entwürfen eine Felsentherme eröffnet. Die Therme bohrt sich innerhalb des aus den 60er Jahren stammenden Hotelkom-plexes in den Hang und lässt somit nur eine talseitige Fassade erkennen, die den Rhythmus der Hänge, die sie umgeben, aufnimmt. Die re-duzierten Materialien von Gneis, Wasser, Glas und matt gebürstetem Messing schaffen mit dem Ausblick auf Heuschober und Bauern-

 

häuser eine einzigartige Atmosphäre von Ruhe und Einheit.


Therme Vals (Graubünden)

Peter Zumthor wurde 2009 beauftragt, Briol zu erweitern.

Das Projekt, welches Peter Zumthor entworfen hat, sieht fünf aufgestelzte Baumhäuser vor, die im steilen Gelände zwischen die Bäume eingebettet werden sollen. Die Holzhütten sind von verschiedener Größe, haben jedoch alle eines gemeinsam: den Blick in die Dolomiten. Die Baumhäuser sollten wintertauglich sein und sind im Kontext mit Briol zu sehen, liegen jedoch wie alle Häuser in Dreikirchen auf Ruf- aber nicht in Sichtweite auseinander. Jedes Baumhaus soll jeweils nur ein Gästepaar be-herbergen. Die Häuser werden ganz reduziert; er werden klare Einheiten aus Glas und Holz geschaffen.

 

 

Skizze für “5 Baum-häuser im Hang”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

” Aus massivem Holz gebaute Räume- aus richtigem Holz, nicht aus Holzplatten- haben eine unglaubliche Ausstrahlung und Präsenz; sie tun dem Körper gut.”

 

 

 

 

Peter Zumthor in Briol

 

NACHWORT

Die Recherche zu dieser Facharbeit hat mir selbst Einblick in die Geschichten meiner Vorfahren gewährt, in die Bozner Traditionen im Sommer, hauptsächlich natürlich in die der Sommerfrische. Es war eine Erlebnisreise durch das 19. und 20. Jahrhundert. Ich selbst fühle mich sehr verbunden mit dem Berg Johannas, mit Drei-kirchen. Solche Orte werden immer seltener und sollten vor allem geschützt werden.

 

 


 

Vor einigen Jahren haben sich einige dieser besonderen Orte zusammengeschlossen und eine Gemeinschaft gegründet, die “Idyllischen Plätze”, wo mein Onkel mit seinem “Gasthof Bad Dreikirchen”, auch Mitglied ist.

Diese Gemeinschaft legt Wert auf die Erhal-tung des Besonderen, der Idylle, wo nicht nur die Gebäude selbst, sondern auch das ganze Ambiente eine wichtige Rolle spielen.

Ich hoffe, dass diese Orte, je-doch vor allem Dreikirchen, so erhalten bleiben, wie sie sind und dass sich das Bewusstsein der Bevölkerung bezüglich dieser Orte ändert und man nicht mehr nur an das Verbauen unserer Landschaft denkt, sondern anfängt die Ein-maligkeit des Vorhandenen zu schätzten.

 

Marillenmarmelade

9.0.QUELLENVERZEICHNIS

9.1. Textquellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Lois_Welzenbacher 21.05.2012

9.1.2. Bücherquellen:

Autonome Provinz Bozen Heubäder und Heilquellen in Südtirol, Bozen 1992

Caramelle, Franz in “Dolomiten” “Historischer Gastbetrieb des Jahres 2012″, 8./9.10.2011,S.14

Demar, Klaus “Die Sommerfrische auf dem Ritten”, Bozen 1983

Grieser, Dietmar “Im Rosengarten”, St.Pölten 1979

Hauser, Sigrid “Idee, Skizze, … Foto” Wien 1990

 

 

Hoeniger, Karl, Der Schlern,
Heft 6 (Oktober 1966)

Hoffensthal, Hans von: Abschied von Oberbozen, Bozen 1930

Kofler, Erich “Ein Sommer in Dreikirchen”, Bozen 1996

Krasny, Elke “Frische und Kühlung nehmen” in Kos,Wolfgang, Schreibtisch mit Aussicht: österreichische Schriftsteller auf Sommerfrische, Wien 1995

Kraus, Carl, “Hubert Lanzinger” Monographien Südtiroler Künstler, Athesia, Bozen 2000

Lehne, Inge, “Dreikirchen-eine Sommerfrische und fast eine Weltanschauung” in Arberer, Michael “Barbian: eine Gemeinde stellt sich vor”, Barbian 2003

Michel, ,Mathias, “Briol-Sommerfrische am Berg;” Tappeiner Verlag, Lana 2011

Settari, Alexandra, “Johannas Erben.Dreikirchens Familiengeschichten”, Athesia, Bozen 2004

Studienarbeiten der Uni IBK und TU München “Lois Welzenbacher – Architekturmodelle”, Institut für Raumgestaltung der Universität Innsbruck, Innsbruck 1990

Zumthor, Peter in “Badefreuden”, Meder, Iris, Wien 2011

z.T. auch mündliche Überlieferungen

9.1.1. elektronische Quellen:

http://www.provinz.bz.it/ensembleschutz/ensembles.asp © 2012 Autonome Provinz Bozen – Südtirol | Ensembleschutz 14.05.2012

http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Lokal/Historischer-Gastbetrieb-des-Jahres-2012-ist-die-Pension-Briol-in-Barbian 14.05.2012

http://www.briol.it/storia-d.htm 13.05.2012

http://www.nzz.ch/2006/02/17/fe/articleDL6B8.html
26.05.2012

http://www.exparch.at/index.php?option=com_content&task=view&id=541&Itemid=87
12.05.2012

9.2.Bildquellen

Clara Pohl S. 1, 3-6, 11-13, 16, 18-23, 25, 32-34, 39-42, 56-58, 60, 62;

Mathias Michel “Briol-Sommerfrische am Berg;” Tappeiner Verlag, Lana 2011 S.7, 26 – 31, 35, 36, 44-46, 48-50, 54, 55;

http://zugspitzregion.bayern-online.de/uploads/pics/murnau_kandinsky_malklasse_phalanx.jpg S.10 24.05.2012

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/5/51/8_Bozner_Seligkeiten.jpg/378px-8_Bozner_Seligkeiten.jpg S.14 23.05.2012

http://murnau.de/portal/sommerfrische/images/sommerfrischler.jpg S.15 12.05.2012

http://farm7.staticflickr.com/6100/6257994783_80d41e2a9c.jpg S.8 13.05.2012

http://de.travello.com/f/p/2008/10/20/27704.l.jpg
S.9 22.05.2012

http://www.ushmm.org/propaganda/assets/images/500x/painting-the-standard-bearer.jpg
S.51 25.05.2012

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.data.image.w/w447674a.jpg
S.38 10.05.2012

http://lh3.ggpht.com/-X8dhstr2MKI/TOd_ILQvcGI/AAAAAAAAC3g/ZhjheAs6Zn4/Hubert%252520Lanzinger%252520%2525281 880-1950%252529.jpg S.43 23.05.2012

http://www.thule-italia.com/Wordpress%20galleria/wp-content/gallery/lanzinger/lanz18.jpg
S.44 23.05.2012

http://www.thule-italia.com/Wordpress%20galleria/wp-content/gallery/lanzinger/briol2.jpg S.50 23.05.2012

http://www.thule-italia.com/Wordpress%20galleria/wp-content/gallery/lanzinger/lanz5.jpg S.52 24.05.2012

http://design.nzzdomizil.ch/images/therme_vals_1.2398138.1239719956.jpg S.53 24.05.2012

 

 

Okt 21

Die Flucht der Naziverbrecher

 Autor: Lukas Forer

Juli 2013


Einstiegsarbeit im Fach Geschichte

Lukas Forer

Wirtschaftsfachoberschule “Heinrich Kunter” Bozen

Fachrichtung Europa “Brocca”

Klasse 5B-EU

    Juli 2013
Fachlehrerin: Monika Trojer

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung                                            2
  2. “Ratlines”                                            3
  3. Südtirol als Nazi-Schlupfloch                                5
  4. Die Fluchthelfer                                        6

    4.1 Die Rolle der katholischen Kirche                        7

    4.1.2 Entnazifizierung durch Taufe                            10

    4.2 Die Rolle des Roten Kreuzes                            10

5. Flüchtlings- und Internierungslager                            12

6. Flüchtlingsland Argentinien                                15

7. Die Flucht Adolf Eichmanns                                17

8. Schlusswort                                        18

Quellenverzeichnis                                    19

    Eigenständigkeitserklärung    20


1. Einleitung

In diesem Einstiegsthema beschäftige ich mich mit der Flucht hochrangiger Naziverbrecher in den Jahren nach dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945. Die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, vor allem die der beiden Weltkriege, ist jene, die mich seit jeher besonders interessiert. Die furchtbaren Verbrechen, die während des Krieges von Deutschen am jüdischen Volk verübt wurden, sind allseits bekannt und müssen nicht mehr näher erläutert werden. Interessant ist jedoch, was mit den Hauptverantwortlichen des Krieges und des Holocausts geschah. Was geschah mit denjenigen, die bei Kriegsende, als die Lage aussichtlos erschien und die Angst vor den Siegermächten groß war, nicht sofort in den Freitod gingen? Ein Gespräch mit meinem Großvater, einem sehr geschichtsinteressierten Menschen, in dem er mir über die bedeutende Rolle Südtirols bei der Fluchthilfe für Kriegsverbrecher erzählte, weckte mein Interesse an dem Thema. Mein Einstiegsthema soll Aufschluss über dieses weniger bekanntes Kapitel der Nachkriegsgeschichte geben und die damaligen Begebenheiten und Vorgänge anschaulich darstellen. Dabei werde ich auf die Rolle der katholischen Kirche und des Internationalen Roten Kreuzes eingehen, jener beiden Institutionen, welche maßgeblich an der Fluchthilfe beteiligt waren, ebenso auf die flüchtigen Verbrecher und deren Fluchtroute eingehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

2.Ratlines
Die Fluchtwege von Kriegsverbrechern aus dem NS-Regime am Ende des zweiten Weltkriegs wurden von US-amerikanischen Geheimdiensten und Militärkreisen als Klosterrouten oder auch Rattenlinien (englisch “Ratlines”) bezeichnet. Klosterrouten deshalb, da hochrangige Vertreter der katholischen Kirche als Fluchthelfer fungierten. Diese Fluchtrouten führten aus den von den Alliierten besetzten Gebieten über die Alpen nach Italien und von dort aus weiter nach Argentinien. Der Großteil der Kriegsverbrecher, Faschisten und deren Kollaborateure aus ganz Europa, flohen meist über die Alpenpässe wie den Brenner- und den Reschenpass, sowie über die Birnlücke ins Ahrntal nach Südtirol. Sie galten als Pforten in ein neues Leben; und von dort ging es weiter Richtung Süden. Dazu wurden Routen des schon seit Jahrhunderten existierenden Schmugglerwesens genutzt. Die zu befördernden Personen waren den Schmugglern meist unbekannt und die angegebenen Namen selten richtig. Ein Mittelsmann brachte die illegalen Grenzgänger in kleinen Gruppen jeweils zu einem eingeweihten Bergführer, der sie auf einer ihm vertrauten Route nach Südtirol führte, wo sie dann meist eine weitere Verbindungsperson empfing. Die Anwohner dies- und jenseits der Brennergrenze kannten sich, familiäre Bande und freundschaftliche Bindungen waren nicht selten, und die Schmugglertradition war in einigen Gegenden seit Generationen eine feste Routine.
Organisierte Schlepperbanden halfen den Grenzgängern gegen Bezahlung auf ihrer Flucht. Der Mittelmeerstaat Italien galt als das ideale Durchzugsland, da die Verwaltung und Rechtsprechung in der Hand der nationalen Behörden war und es somit kaum bürokratische Hürden oder Kontrollen gab. Außerdem verfügte die Italienische Halbinsel über eine große Anzahl an Häfen. Die bedeutendsten in Oberitalien waren etwa Genua, Savona oder La Spezia. Von dort aus fuhren Schiffe in die Flüchtlingsländer, welche sich überwiegend auf dem südamerikanischen Kontinent befanden. Der Hafen von Genua galt als “Sprungbrett” in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Fluchthelfer verhalfen den Belasteten mit gefälschten Identitäten und Ausweispapieren auch in arabische Länder wie beispielsweise Syrien und auch in den Irak.

 

3. Südtirol als Nazi-Schlupfloch

Südtirol war als Grenzland das ideale Durchzugsgebiet für Naziverbrecher. Es war in politischer Hinsicht eine Art “Niemandsland”, dessen Bevölkerung aufgrund der jahrelangen Unterdrückung und Diskriminierung durch die Faschisten größtenteils deutschfreundlich gesinnt war. Nach dem Abzug der Alliierten aus Südtirol im Dezember 1945, befand sich das Land in einer Art “Schwebezustand”, da es keiner direkten Kontrolle durch eine Militärregierung unterstand. Bereits kurze Zeit nach Kriegsende kamen die ersten prominenten Nazis nach Südtirol, so die Familie von Reichsminister Martin Bormann beispielsweise, welche 1945 vom zerbombten Obersalzberg nach Meran floh. Das Kurstädtchen Meran galt bereits vor 1945 als beliebtes Refugium der NS-Prominenz. Der “Alto Adige” schrieb im Mai 1947 unter dem Titel “L’ Eldorado dei collaborazionisti”:

“Allen ist Meran als eine Art Eldorado von großen und kleinen Fischen bekannt.”

Grund dafür war, dass man in Meran durch die sehr hohe Dichte an Deutschen verhältnismäßig einfach an Dokumente gelangte, welche zur Flucht benötigt wurden. Neben Meran wurden in zahlreichen anderen Gemeinden, dazu zählen Vahrn, Brixen Algund und Graun, meist von im Amt gebliebenen NS-Bürgermeistern Dokumente ausgestellt. Diese kommissarischen Bürgermeister waren seit der durch die Operation Fall Achse deklarierten Operationszone Alpenvorland 1943 im Amt. Eine beliebte Zwischenstation auf dem Weg durch die “Drehscheibe Südtirol” Richtung Süden war das Weindorf Tramin. Es galt als Hochburg des “Völkischen Kampfrings Südtirols”, kurz VKS, einer nationalsozialistischen Organisation. Diese hatte unter anderem guten Kontakte zu zahlreichen Fälscherbanden, welche gegen Bezahlung die verschiedensten Dokumente beschaffen konnten. Der Bürgermeister von Tramin, ebenfalls Mitglied des VKS, verschaffte den Flüchtlingen per Blankoformular einen Identitätsausweis. Auf diese Weise wurden Verbrecher wie
Adolf Eichmann, Josef Mengele und Erich Müller allesamt Bürger der Gemeinde Tramin.

 

4. Die Fluchthelfer

Die Fluchthilfe war anfangs sehr stark improvisiert und wuchs erst im Laufe der Zeit zu einem komplexen Geflecht von Einzelpersonen, Institutionen und Staaten zusammen. Einzelhelfer wie Hudal oder Draganovic, Institutionen wie das Rote Kreuz oder die katholische Kirche sowie Staaten wie Argentinien bildeten die wichtigsten Säulen des Systems. Bei der Fluchthilfe spielen zwei Institutionen eine besonders wichtige Rolle: Die katholische Kirche und das Rote Kreuz. Ebenfalls verwickelt war die Großorganisation des US-Geheimdienstes, welche die Fluchtwege dazu benutzte, um amerikanische Spione und Agenten schnell und diskret aus den von den Sowjets besetzten Gebieten zu schaffen. Geheimdienstbeamte der Nazis wurden “recycelt” und für eigene Zwecke eingesetzt. Ein Beispiel dafür ist der deutsche Raketeningenieur Arthur Rudolph, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA gegangen war und dort maßgeblich an der Konstruktion der “Saturn 5″-Trägerrakete beteiligt war, die 1969 erstmals Menschen auf den Mond brachte. Während des

Zweiten Weltkriegs leitete Rudolph die Fabrik im KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen in Thüringen. Er war von 1934 bis 1945 an der Entwicklung der V2-Rakete beteiligt. Eines haben diese drei Helfer gemeinsam: Ihr Ziel war es, den Kampf gegen den

gemeinsamen Feind, den Kommunismus, fortzusetzen und einen Machtverlust gegenüber dem Osten
zu verhindern. Der Kalte Krieg hatte bereits begonnen. Durch ihre Mithilfe gelang es tausenden schwer belasteten NS-Verbrechern sich nach dem Krieg der Strafverfolgung zu entziehen.

4.1 Die Rolle der katholischen Kirche

Die katholische Kirche ist als Institution tief in die Vorgänge der Nachkriegszeit verstrickt. Der damals amtierende Papst Pius XII. stattete Mitarbeiter mit den zur Organisation der Ausschleusung nötigen Kompetenzen aus. Ob die Würdenträger damals wussten, wem die Hilfe zugute kam, ist unklar. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Vorgänge von den Verantwortlichen der katholischen Kirche, in erster Linie vom Papst, stillschweigend gebilligt wurden. Die Auffassung, diese Aktivitäten würden dem Kampf gegen den Kommunismus dienen, war damals stark verbreitet. Nazis wurden als Antikommunisten angesehen. Es galt, dem gottlosen Kommunismus den Kampf anzusagen. Ziel der katholischen Kirche war eine Rechristianisierung Europas, um eine Machtübernahme der Kommunisten zu verhindern. Große finanzielle Unterstützung erhielten der Vatikan und seine Hilfsorganisationen dabei von der katholischen Kirche in den USA. Ein päpstlicher Delegierter schrieb 1948 an den Erzbischof von New York und Leiter der “National Catholic Welfare Conference” (NCWC), Kardinal Francis Spellman, welcher für den Geldfluss aus den USA zuständig war:

“Der atheistische Kommunismus wird einen Polizeistaat in Italien errichten, wenn er die Macht übernehmen sollte. Der gottlose Kommunismus wird die Unterjochung Italiens als seinen größten Erfolg ansehen. Sein Ziel ist die Zerstörung der katholischen Kirche in Italien, um dadurch den weltweiten Einfluss der katholischen Kirche auszumerzen.”

Als Kopf der Fluchtorganisation galt der kroatische Franziskaner-Geistliche und Ustascha-Anhänger Dr. Krunoslav Draganovic. Zusammen mit dem österreichischen Bischof Alois Hudal, ebenfalls eine Schlüsselfigur des kirchlichen Netzwerkes, baute er ein Fluchthilfeunternehmen auf. Dieses wurde größtenteils von Faschisten aus ganz Europa, hauptsächlich NS-Verbrechern und Ustascha-Anhängern, jedoch auch vom amerikanischen Geheimdienst CIC genutzt.

Die Päpstliche Hilfskommission für Flüchtlinge (ital. “Pontificia Commissione Assistenza Profughi”), kurz PCA, welche in Rom stationiert war, war Dreh-und Angelpunkt der Fluchthilfe seitens der Kirche. Der Papst hatte sich tatkräftig für die Entstehung eingesetzt und beauftragte Monsignore Giovanni Battista Montini mit der Verwaltung des Hilfswerks, das sich ursprünglich für katholische Flüchtlinge, später hauptsächlich für sogenannte “Kriegsgeschädigte” einsetzte. In den zahlreichen Unterkomitees, – in Italien gab es 22 Außenstellen der PCA-, welche aufgrund des riesigen Flüchtlingsansturms notwendigerweise eingerichtet wurden, wurden den Flüchtlingen anstandslos Visa ausgegeben. Anhand dieser Visa ließ sich ein Reisepass beim Roten Kreuz besorgen. Ohne Reisepass war eine Ausreise nicht möglich und ein Visum völlig nutzlos. Dies führte dazu, dass die begehrten Rot-Kreuz-Pässe von den kirchlichen Hilfskomitees ausgegeben wurden, um eine sichere Ausreise der Antragsteller zu garantieren. Krunoslav Draganović, der damalige Sekretär der kroatischen Nationalkirche im Vatikan, verteilte die IKRK Reisepässe an Ustascha-Anhänger, er selbst nannte sie “seine Kroaten” und agierte als eine Art Delegation des Roten Kreuzes in Rom.

Hudal, der Rektor des deutschen Priesterkollegs
in Rom, war um die Abwehr des “Ostbolschewismus” bemüht und strebte eine Symbiose zwischen Katholizismus und Nationalismus an. Sein Hauptwerk, das den Titel “Die Grundlagen des Nationalsozialismus” trug (1936), widmete er dem Führer mit den Worten: “Dem Führer der deutschen Erhebung [und] Siegfried deutscher Hoffnung und Größe.”

In seiner Autobiographie, welche im Jahre 1937 erschien, äußerte er sich sehr deutlich zum Thema Fluchthilfe:

“Ich fühlte mich nach 1945 verpflichtet, mein gesamtes wohltätiges Werk hauptsächlich früheren Nationalsozialisten und Faschisten zu widmen, besonders den so genannten Kriegsverbrechern.”

Erst nach massivem Druck seitens des Vatikans trat Hudal 1952 als Rektor des deutschen Priesterkollegs zurück. Er starb 1963. In seinen Memoiren lehnte den Nationalsozialismus in seiner konkreten Ausprägung ab; er bekannte sich jedoch als klarer Antikommunist.

4.1.2 Entnazifizierung durch Taufe

Ein weiterer interessanter Aspekt, der mit der Fluchthilfe der Kirche zu tun hat, ist die als Reueakt ausgelegte Wiedertaufe von ehemaligen Faschisten. Laut Glaubenslehre gilt die Taufe, wie alle Sakramente, die von Christus verliehen werden, als Heilmittel. Zahlreiche bekannte Nazigrößen, darunter der “Buchhalter des Todes” Adolf Eichmann, SS-Führer Erich Priebke oder der Kommandant des Konzentrationslagers Ausschwitz, Rudolf Höß, unterzogen sich einer solchen Heilung. Meistens versprachen sie sich Vorteile davon. Die Sünder mussten vor ihrer Wiederaufname in die katholische Kirche schwören, die Irrlehre des Nationalsozialismus zu verwerfen. Es wurde Seelenernte durch Aussöhnung betrieben.

4.2 Die Rolle des Roten Kreuzes

Mit den Reisepapieren, die das Rote Kreuz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausstellte, gelang es Tausenden Kriegsverbrechern, darunter bekannten Namen wie Adolf Eichmann, Erich Priebke und Josef Mengele, sich in die Flüchtlingsländer abzusetzen. Dazu benötigte man einen gültigen Reisepass und ein Visum. Beide Dokumente wurden in Italien ausgestellt. Die Delegationen des IKRK in Rom stellten von 1944 bis in die fünfziger Jahre an die 120.000 IKRK-Pässe aus, welche den Flüchtlingen eine Weiterreise in die Flüchtlingsländer ermöglichte.

Die Pässe wurden ausschließlich in Rom ausgestellt. Anträge konnten jedoch in den zahlreichen Außenstellen gestellt werden, in welche sie anschließend versandt wurden. Die Beschaffung eines solchen Reisepasses stellte sich in den meisten Fällen als sehr einfach heraus. Die zuständigen Behörden waren mit der Menge der Gesuchsteller jedoch maßlos überfordert. Es wurde nur unzureichend kontrolliert, wem die Pässe ausgehändigt wurden. Es genügten zwei Zeugen, die die Angaben über die Identität des Antragsstellers bestätigten. Bei drei Kameraden, welche einen Antrag stellten und sich gegenseitig deckten, bekamen im Normalfall also alle drei einen Reisepass. Besser noch, man konnte einen Persilschein des Vatikans vorweisen, der zuvor von den katholischen Fluchthelfern ausgestellt wurde. SS-Angehörige mischten sich also oftmals unter die vertriebenen Flüchtlinge aus den Ostdeutschen Gebieten und gaben sich als “staatenlose Volksdeutsche” aus. Den damaligen IKRK-Präsidenten Paul Ruegger und Carl Jacob Burckhardt werden heute eine prodeutsche Haltung und ein unterschwelliger Antisemitismus nachgesagt. Burckhardt wurde von seinem Biographen Paul Stauffer vor allem wegen seiner Selbstdarstellung als Widerständler kritisiert. Beide hatten sehr enge Kontakte zu wichtigen Funktionären des Dritten Reiches. Dies könnte eine bedeutende Rolle gespielt haben, da die Zentrale des Roten Kreuzes in Genf schon sehr früh von den Missbräuchen Bescheid wusste, jedoch lange Zeit nichts dagegen unternahm. Das Internationale Rote Kreuz hat sich mehrmals für die Geschehnisse entschuldigt. Die Lage damals war aufgrund der riesigen Anzahl von Flüchtlingen außergewöhnlich und nur sehr schwer handhabbar. Ein Sprecher des IKRK ließ folgendes verlauten:

“Es gab damals Tausende Flüchtlinge aus völlig ungeklärten Verhältnissen. Hätte man wirklich verlässliche Kontrollen eingeführt, hätte man zwangsläufig auch vielen echten Flüchtlingen nicht mehr helfen können”.

Die Archive des Roten Kreuzes sind für Forschungen zugänglich, es wurde Zugang zu bisher geheimen Quellen gewährt. Dazu gehören bisher unbekannte Dokumente der Korrespondenz zwischen der Zentrale in Genf und der Italienischen Delegation, welche als äußerst aufschlussreich gelten.

5. Flüchtlings- und Internierungslager

Die Siegermächte setzten nach dem Krieg alles daran, die Schuldigen ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Dies war aber alles andere als einfach, da ganz Europa von Millionen von Flüchtlingen verschiedenster Art übersät war. Dazu gehörten außer den Kriegsverbrechern auch Kollaborateure und Antikommunisten, Juden, die nach Palästina flüchten wollten, Volksdeutsche, die aus den Ostgebieten vertrieben wurden, Deserteure, Zwangsarbeiter und schließlich Überlebende des Holocausts. Die sogenannten “großen Fische” der Nazis tauchten in der Masse der Flüchtlinge unter. Die Alliierten ordneten die Flüchtlinge bestimmten Kategorien zu, um sie besser differenzieren zu können. Es wurde zwischen Staatsangehörigen der alliierten Nationen und Staatsangehörigen von feindlichen Staaten unterschieden. Diese sogenannten Displaced Persons (DP) hielten sich in ganz Europa auf. Insgesamt rechneten die Alliierten mit knapp 12 Millionen DPs; allein in Deutschland waren es geschätzte 6,5 Millionen. Viele dieser de facto staatenlosen Flüchtlinge konnten direkt nach Kriegsende nicht in ihre Heimat zurückkehren und wurden
in DP-Lagern, welche den Namen “Rheinwiesenlager” trugen, untergebracht. Von diesen Lagern waren die von alliierten Truppen besetzten Gebiete, darunter auch die italienische Halbinsel, übersät. Zur Unterbringung dienten ehemalige Durchgangslager der Nazis oder Konfinierungslager des Faschismus, wie es das Lager Dulag in Bozen war. Jedoch auch provisorisch eingerichtete Villen, Kinosäle und dergleichen wurden dafür benutzt. Ein Beispiel dafür ist das britische Internierungslager Rimini Bellaria, in dem 150.000 Mann inhaftiert waren. Die Alliierten versuchten aus der Masse der Internierten die Kriegsverbrecher herauszufiltern, was sich bei der schwer überschaubaren Menge an Flüchtlingen als äußerst schwierig erwies. Ab dem Jahre 1947 zeigten die Alliierten immer weniger Interesse an den Kriegsgefangengen, zogen sich von der Flüchtlingsbetreuung zurück und überließen ihre Tätigkeit zum größten Teil der neu gegründeten International Refugee Organisation, kurz IRO. Hauptziel der IRO war es, für die Repatriierung, die Rückkehr möglichst vieler Flüchtlinge in ihre Heimat zu sorgen, was größtenteils gelang: Bereits 1946 waren 93 Prozent in ihr Ursprungsland zurückgeführt. Durch die Entlassung vieler Kriegsgefangener sank die Zahl der Flüchtlinge in Italien in den ersten beiden Kriegsjahren stark. Viele Lager wurden aufgelöst, vielen gelang die Flucht. So konnte beispielshalber Erich Priebke, der ebenfalls in Rimini interniert war, in der Silvesternacht die Trunkenheit der Wachen ausnützen und zusammen mit fünf seiner SS-Kameraden entkommen. Er beschrieb es später so:

“Am 31. Dezember 1946 profitierten wir von den Silvesterfeierlichkeiten. Die Engländer tranken und feierten und die Polen waren betrunken. Wir konnten zu fünft fliehen: drei Unteroffiziere, ein Offizier und ich. Wir versteckten uns im Ansitz des Bischofs und dort begann unsere eigentliche Flucht.”




6. Flüchtlingsland Argentinien

Als das wichtigste Flüchtlingsland für Kriegsverbrecher der damaligen Zeit galt Argentinien. Schätzungen zufolge erreichten mindestens 300 bis 350 NS-Funktionäre, darunter 50 schwerbelastete Kriegsverbrecher und Massenmörder, das von dem rechtspopulistischen Diktator Juan Peron regierte Argentinien, welches seit jeher als deutschfreundlich galt. Erst 1945 ist der Druck seitens der USA auf den südamerikanischen Staat, der sich bis dahin neutral verhalten hatte, zu groß geworden: Argentinien erklärte Hitler als letzter Staat der späteren alliierten Siegermächte den Krieg. Peron, ein Bewunderer Hitlers und Mussolinis, wollte nach seiner Machtübernahme im Jahr 1946 Argentinien modernisieren und sein Militär aufrüsten. Dazu wurden Fachleute gebraucht, die nach Kriegsende gezielt angeworben wurden. Dies geschah vorwiegend in Italien, wo argentinische Diplomaten in Zusammenarbeit mit untergetauchten SS-Offizieren ein äußerst effektives System aufbauten, um geeignete Personen ausfindig zu machen und diese nach Argentinien zu überführen. Teilweise wurde auch mit kirchlichen Stellen kollaboriert. Die Reisekosten für Wissenschaftler, Techniker und anderen Spezialisten wurden vom Staat übernommen. Mit dem Wissen europäischer Einwanderer erhoffte sich Peron eine rasche Industrialisierung des Landes. Die Siegermächte erhoben alle einen gewissen Anspruch auf deutsche Spitzenkräfte, was einen Konkurrenzkampf zur Folge hatte. Dieser wurde durch den Vertrag von Chapultepec, welcher in Mexico 1945 zwischen den USA und den südamerikanischen Staaten geschlossen wurde und Argentinien in der Rekrutierung von Fachpersonal einschränkte, beendet. Argentinien hielt sich nicht an die vereinbarten Kontrollbestimmungen und setzte sich über die Abmachungen hinweg. Es war weiterhin, vor allem in Italien, eine große Anzahl von Diplomaten und Agenten unterwegs um aktiv Fachleute anzuwerben. So wurde beispielsweise die hochdekorierte Fliegerlegende Hans-Ulrich Rudel von Diktator Peron als Luftwaffenberater angeworben. Unter der Leitung von Flugzeugskonstrukteur Professor Kurt Tank und in Zusammenarbeit mit 60 ehemaligen deutschen Rüstungsingenieuren, bildeten sie das sogenannte “Team Tank”. Dadurch wurde der Feind zum Freund, von dem man sich Vorteile erhoffte. Ein bestimmter Personenkreis, meistens Menschen mit faschistischem Hintergrund, wurde bevorzugt. Nazis galten auch deswegen als geeignet, da es in vielen Teilen des Landes mit insgesamt 240.000 deutschstämmigen Personen bereits eine große aktive deutsche Gemeinde gab und eine Assimilierung somit leicht möglich gewesen ist.


7. Die Flucht des Adolf Eichmann

Die Person Adolf Eichmann eignet sich meines Erachtens besonders gut zur Illustration der damaligen Geschehnisse, weshalb ich die Geschichte seiner Flucht im Folgenden genauer erläutere.

SS-Obersturmbannführer Otto Adolf Eichmann war Leiter der Gestapo-Abteilung mit der Bezeichnung “Eichmannreferat”, welche für die Organisation und Durchführung der sogenannten Endlösung zuständig war. Eichmann gilt als Hauptverantwortlicher für den industriellen Massenmord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Als Obergefreiter der Luftwaffe geriet er im Frühling 1945 in US-Kriegsgefangenschaft und wurde in Oberdachstetten, einem kleinen Kriegsgefangenlager im Landkreis Ansbach in Bayern inhaftiert. Ihm gelang mithilfe alter Seilschaften die Flucht aus der amerikanischen Internierungshaft. Der Massenmörder lebte mit gefälschten Papieren von 1946-1950 in der Lüneburger Heide, wo er anfangs als Holzfäller arbeitete und später seinen eigenen Geflügelhof betrieb. Nachdem er genug Geld angespart hatte, brach er Richtung Süden auf. Die Grenze nach Österreich überquerte er bei Kufstein als Bergsteiger verkleidet. Mit dem Taxi ging es weiter an die Italienische Grenze, wo bereits die Schlepper auf ihn warteten. Der Pfarrer von Sterzing brachte ihn ins Franziskanerkloster Bozen. Dort wurde er von den Mönchen, so wie viele andere “braune Größen” nach Kriegsende für einige Wochen versteckt gehalten. Der Bürgermeister von Tramin persönlich verschaffte Eichmann am 2. Juni 1950 einen Personalausweis. Josef Klement, so sein neuer Deckname, gab sich als einer der 75.000 Optanten aus, welche sich 1939 für die Auswanderung ins Deutsche Reich entschieden hatten und die italienische Staatsbürgerschaft abgeben mussten. Als Staatenloser hatte er Anrecht auf einen Reisepass vom Roten Kreuz. Am 14. Juni 1950 emigrierte Eichmann und verließ Italien über Genua mit dem Schiff nach Buenos Aires. Wenige Zeit später folgte ihm seine Familie, seine Frau mit den drei Söhnen. In einer Mercedes Benz-Fabrik wurde er als Schweißer und Mechaniker angestellt. Im Jahr 1960 wurde Rikkardo Klement, so sein letzter Deckname, von Einheiten der israelischen Geheimdienste Mossad und Lakam nach monatelanger Observation vor seinem Wohnort in San Fernando entführt und nach Israel gebracht. Vor dem Jerusalemer Bezirksgericht wurde dem Massenmörder anhand von 15 Anklagepunkten, darunter “Verbrechen gegen das jüdische Volk” und “Verbrechen gegen die Menschlichkeit”, ein neun Monate dauernder Prozess gemacht. Es schien so, als wären die Richter an der Frage, wie Eichmann es schaffte, nach Argentinien zu entkommen, gar nicht interessiert. Das Thema Flucht wurde nicht behandelt. Der Angeklagte zeigte den gesamten Prozess über keine Reue für seine Taten und bezeichnete sich selbst nur als “Rädchen im System”, das stets nach dem “Führerprinzip” gehandelt und somit lediglich als Befehlsempfänger fungiert habe. 1957 hatte er in Argentinien im Sassen-Interview noch Folgendes auf Tonband gesprochen:

“Ich muß Ihnen ganz ehrlich sagen, hätten wir von den 10,3 Millionen Juden, die Korherr, wie wir jetzt nun wissen, ausgewiesen hat, 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen, gut, wir haben einen Feind vernichtet.”

Im Mai 1962 wurde das Todesurteil durch den Strang vollstreckt.

Eichmanns letzte Worte lauteten wie folgt:

“In einem kurzen Weilchen, meine Herren, sehen wir uns ohnehin alle wieder. Das ist das Los aller Menschen. Es lebe Deutschland. Es lebe Argentinien. Es lebe Österreich. Ich grüße meine Frau, meine Familie und meine Freunde. Ich hatte den Gesetzen des Krieges und meiner Fahne zu gehorchen. Ich bin bereit.”

8. Schlusswort

Ich habe mich im Laufe der Entstehungszeit meines Einstiegsthemas ausführlich mit den historischen Begebenheiten der Fluchtbewegungen von Naziverbrechern befasst und eine umfassende und intensive Recherche betrieben. Dabei habe ich mein Wissen zu dem Thema vertieft und einen guten Überblick über dieses Geschichtskapitel bekommen. Die von mir behandelten Punkte sind eine zusammenfassende Veranschaulichung von meinem errungenen Wissensstand und sollen Aufschluss über dieses breitgefächerte Gebiet der Nachkriegsgeschichte geben. Ich verwendete vielseitige Quellen, unter anderem suchte ich das Gespräch mit Personen aus dem Franziskanerkloster Bozen, um mehr über den Aufenthalt Flüchtiger Nazis im selben zu erfahren. Dies gestaltete sich allerdings etwas schwierig. Die Verantwortlichen im Kloster beharren strikt auf der Behauptung, dass sich flüchtige Nazis nie in ihrem Kloster aufgehalten hätten.

Ich konnte das theoretische Wissen über das verfassen einer Facharbeit in der Praxis anwenden und habe dabei nützliches dazugelernt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Tutorin Frau Prof. Monika Trojer bedanken, die mir stets für Ratschläge, Anregungen und Verbesserungsvorschläge zur Verfügung stand.

Quellenverzeichnis

Allgemeine Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinien
(Stand 04. 04 2013) http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Eichmann (Stand 04.04.2013)
http://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Hudal (Stand 27.03 2013)

Literatur:

Steinacher, G.: Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee kamen, Fischer Tb, Frankfurt a. M. 2010

Stangneth, B.: ”Nein, das habe ich nicht gesagt”. Eine kurze Geschichte der Argentinien-Papiere, in: Einsicht, Bulletin des Fritz Bauer-Instituts, Nr. 5, Wochenschau-Verlag, Schwalbach 2011

Zeitschriften:

Hinterwaldner, K.: Brauner Schatten, in: FF Nr. 04 (2013), S. 54-57.

Internet:

anonym: USA gewährten Nazis Unterschlupf, in: Die Zeit (05.11.2010) unter: http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-11/nazis-USA-unterschlupf

Fiedler, T.: Nazis auf der Flucht, in: Stern (22.03.2005) unter: http://www.stern.de/politik/geschichte/teil-5-das-verschwinden-der-nazis-nazis-auf-der-flucht-538051-print.html

Hollenstein, P.: Das Rote Kreuz verhalf Tausenden Nazis zur Flucht, in: NZZ (07.09.2008) unter: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/das-rote-kreuz-verhalf-tausenden-nazis-zur-flucht-1.825790

Lackner, H.: Die Hakenkreuzfahrer: Brisante Details über die Flucht hochrangiger Nazi-Verbrecher. In: Profil (13.08.2008), unter: http://www.profil.at/articles/0832/560/215225/die-hakenkreuzfahrer-brisante-details-flucht-nazi-verbrecher

von Lingen, K.: Rezension zu: Steinacher, Gerald: Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen. Innsbruck 2008, in: H-Soz-u-Kult (06.05.2009) unter:
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-2-087

anonym: So lief Eichmanns Hinrichtung vor 50 Jahren, in: Express (31.05.2012) unter: http://www.express.de/panorama/nazi-verbrecher-so-lief-eichmanns-hinrichtung-vor-50-jahren,2192,16139436.html

Abbildungen:

Abb. 1 Steinacher, G.: Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee kamen,
Fischer Tb, Frankfurt a. M. 2010, S.32
Abb. 2 http://xn--dw-fka.at/service/ausstellung/1938/22/22_3.html (27.05.13)
Abb. 3 http://www.srbel.net/wp-content/uploads/2012/09/Krunoslav-Draganović.jpg?lang=lat

(27.05.13)
Abb. 4 http://www.sueddeutsche.de/politik/adolf-eichmann-hinrichtung-vor-jahren-schrecklich-und-
erschreckend-normal-1.1370028-3
(27.05.13)
Abb. 5 http://tracktate.wordpress.com/2012/02/14/wolfe-im-schafspelz-oder-wie-der-vatikan-nazis-
half-nach-argentinien-zu-fluchten/
(27.05.13)
Abb. 6 http://www.dailymail.co.uk/news/article-2099282/How-Nazi-used-ratline-escape-route.html

(10.02.2012)
Abb. 7 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/geheimdienst-akten-eichmann-prozess-loeste-html

(27.05.13)

Okt 21

1929 – Der große Crash

Autor: Alexander S.

 


 

 

  • Motivation
  • Die Goldenen Zwanziger
  • Der große Crash
  • Folgen
  • Umdenken
  • Roosevelts “New Deal”
  • Unterschiede zur heutigen Krise
  • Fazit
  • Quellen

 

 

In erster Linie hat mich Frau Prof. Spornberger auf das Thema hingewiesen, da ich mir nicht sicher war, welches Thema ich behandeln könnte. Es sprach mich sofort an, da mich dieses Thema bereits in der Mittelschule fasziniert hat, ich jedoch nie darüber recherchiert habe und es sich daher sehr gut als Einstiegsthema eignete. Ein weiterer Grund warum ich mich für dieses Thema entschieden habe war die derzeitige Wirtschaftskrise die seit 2008 herrscht; ich wollte mich über mögliche Parallelen informieren und schauen, was sich in der Zeit geändert hat bzw. welche Maßnahmen der Entgegenwirkung entwickelt wurden.

 


 

 

 

Die Zeit von 1920 bis 1929 ging als die “Goldenen Zwanziger” in die Geschichte ein. Diese Zeit war geprägt von einem noch nie da gewesenen Wohlstand und es gab weitreichend positive Veränderungen. Zahlreichen technischen Neuerungen wie z.B. die Entwicklung des Flugzeugs oder des Radios sorgten für eine längere Phase soliden Wirtschaftswachstums. Das Fließband machte die Fabrikation von Massengütern möglich. Durch diese moderne Produktion wurde vieles billiger, wodurch ein Massenwohlstand entstand, und auch der Normalverbraucher konnte sich einen gewissen Luxus (Auto, Kino usw.) leisten.

Auch für die Künste und die Literatur waren es wunderbare Jahre und zum ersten Mal wurde die Freizeit als ebenso wichtig wie die Arbeit angesehen.

Die Aktienkurse in den USA waren 1920 relativ niedrig, die Preise stabil und die Reallöhne stiegen stetig ein wenig. Das Vermögen der Leute vergrößerte sich und einige begannen in den Aktienmarkt zu investieren. Als Folge stiegen die Kurse ab 1925. Das spornte weitere Menschen an, Wertpapiere zu kaufen. Die Kurse stiegen weiter. Spätestens 1928 war auch der Letzte von der Idee gepackt worden, schnell und leicht reich zu werden.

Oft genügte das Eigenkapital der Privatanleger nicht, um groß einzusteigen, deshalb borgten sie sich viele Geld von den Geschäftsbanken, sogenannte Maklerkredite. Als Absicherung genügte der eigene Aktienstock. Die Investoren wollten immer mehr Geld, um damit Aktien zu kaufen, was die Geldreserven schwinden ließ. Deshalb erhöhte die Zentralbank den Leitzinsen von fünf auf zwölf Prozent, was aus dem Ausland neues Geld einbrachte, damit wieder genug Kapital für die Anleger bereit stand.

Die Menschen waren sehr optimistisch eingestellt und waren sich sicher, dass sie nur gewinnen können und kauften so immer weiter Aktien.

Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Aufschwungs waren bald nicht mehr zulässig, denn wer warnend den Zeigfinger hob, galt als Mann von gestern. Diese Entwicklung bezeichnete der amerikanische Ökonom John Kenneth Galbraith als “Massenflucht aus der Wirklichkeit”.

So entstand eine Blase, die zu Beginn des Jahres 1929 beinahe zum Platzen gebracht wurde. Die Kurse standen so hoch, dass die Kaufkraft erschöpft war und als Folge eine Verkaufswelle einsetzte. Die großen Bankiers und die Federal Reserve Bank ahnten, dass ein Crash folgen könnte. Unzählige Aktien waren nach herkömmlichen Kriterien grotesk überbewertet und auch das Volumen der Maklerkredite war bei Weitem nicht im Gleichgewicht mit dem Volumen der Käufe gegen Sicherheitsleistungen.

Es hätte einer heilsamen Korrektur bedurft, doch niemand tat etwas dagegen. Im Gegenteil, einflussreiche Bankenbosse ermunterten die Käufer, fleißig weiter zu investieren, der Aktienhöchststand sei noch lange nicht erreicht.

Erneut nahm die Zahl der Wertpapierkäufe auf Kredit gewaltig zu, was die Preise wieder steigen ließ. Firmen gaben weitere Aktien heraus, da es langsam an Papieren mangelte. Sogenannte Investment Trusts wurden gegründet. Journalisten ließen sich bezahlen, damit sie Werbung für eine bestimmte Gesellschaft machten. Um das Interesse der Spekulanten zu wecken, entstanden Pools, die eine große Menge einer Aktie kauften, um so künstlich die Kurse in die Höhe zu treiben.

Damit war das Kartenhaus errichtet und es fehlte nur noch ein Windstoß, um es zum Einsturz zu bringen.

 

 


 

 

Im Oktober 1929 wurden sich einige der Gefahr bewusst. Die Kurse lagen zwar noch auf hohem Niveau, sie standen jedoch still, wodurch viele ihrer Kredite nicht zurückzahlen konnten. Der Kapitalzufluss brach ein, das Handelsvolumen nahm deutlich zu. Die gesamte Woche vor dem eigentlichen Zusammenbruch war von Panik und Angst gekennzeichnet.

Der Donnerstag, der 24. Oktober 1929 war der Tag, der als schwarzer Freitag in die Geschichte einging. Es war der Tag, an dem das Gewitter über der Wall Street los brach. Wild gestikulierend liefen Makler über das Börsenparkett und suchte immer hektischer nach Aktienkäufern. Alle wollten plötzlich nur verkaufen, als hielten sie Tiere mit einer ansteckenden Krankheit in ihren Händen. Nachrichtenagenturen verbreiteten das Geschehen über das ganze Land, während sich unzählige erregte Anleger und Bankangestellte vor dem Börsengebäude versammelten, bis die Polizei die Menge auflöste. Eine Selbstmordwelle ging durch das Land. An diesem Tag wechselten 12.894.650 Anteile den Besitzer. Das war eine riesengroße Menge, wenn man das mit einem “normalen” Tag sonst verglich, bei dem ungefähr drei Millionen Anteile gehandelt wurden.

Am nächsten Tag nahm die Zahl der Verkäufe weiter zu. Die Aktienkurse sanken so weit, dass bei vielen Aktionären die Kredite nicht mehr ausreichend durch die Depotbestände gedeckt waren. Die Banken forderten daher den umgehenden Verkauf der Wertpapiere, obwohl sie sich in den Tagen zuvor noch gegen die Verkaufswelle gestemmt hatten bzw. selbst die angebotenen Aktien aufkauften, um so größere Kursrückgänge zu verhindern. Am Montag, dem 28. Oktober 1929, überfluteten riesige Verkaufsaufträge die Börse, so dass die Kurse weiter sanken. Am darauffolgenden Dienstag, dem 29. Oktober 1929, erstickten die Börsen fast in einer Flut von Verkaufsaufträgen.

Das Kartenhaus brach endgültig zusammen. Jeder wollte retten, was noch zu retten war, und verschlimmerte dadurch die Katastrophe. 16,5 Millionen Aktien wechselten an diesem Tag an der New Yorker Börse den Besitzer. Die Verluste aller Aktionäre wurden auf 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Es war der Auftakt zur Weltwirtschaftskrise. Bis zum Sommer 1932 verloren die US-Börsenkurse fast 90 Prozent ihres Wertes. Die Panik an der Wall Street war damit nicht nur auf die wenigen Oktobertage beschränkt, sondern das Debakel zog sich bis zum Tiefpunkt rund drei Jahre lang hin. Die Wirtschaftskrise ging erst mit dem Zweiten Weltkrieg zu Ende.

 

 


 

 

Millionen amerikanischer Anleger, angefangen vom Arbeiter bis hin zum superreichen Spekulanten, verloren im Herbst 1929 und später ihre gesamten Investments. Es gab zahllose Bankenzusammenbrüche. Die Industrieproduktion und der Außenhandel brachen zusammen. Tausende Unternehmen machten Pleite, was zu Massenentlassungen führte, die US- Arbeitslosenrate stieg bis 1932 auf über 25%. Das Bruttosozialprodukt brach um 28% ein.

Viele Anleger konnten die Kredite bei der Bank nicht zurückbezahlen, so wurde am Ende ihr Eigentum (z. B. das eigene Haus) gepfändet und zur Versteigerung freigegeben.

Nach den Kurseinbrüchen an der Wall Street brachen in Europa ebenfalls die Aktienmärkte zusammen. Viele verloren ihr Vermögen und Unternehmen gingen in Konkurs. Die USA forderten die Gelder, die sie vielen Ländern vor dem Ersten Weltkriege als Unterstützung geliehen haben, sowie jene, die sie nachher in den Wiederaufbau Deutschlands gesteckt hatten, zurück, wodurch die Weltwirtschaftskrise auch in Europa endgültig ausbrach.

Nach Amerika traf es Deutschland am zweit härtesten, weil es hoch verschuldet aus dem Krieg kam und hohe Reparationsschulden an die Siegermächte zahlen musste. Der 1930 neu ernannte Reichskanzler Heinrich Brüning hatte das Ziel, den Staatshaushalt zu sanieren und die Reparationszahlungen zu beenden. Brüning setzte auf Sparpolitik: Die Gehälter öffentlich Bediensteter wurden um 25% gekürzt, eine Erhöhung der Einkommenssteuer wurde vorgenommen und die Ausgaben im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden gesenkt. Zwar konnte Brüning mit seiner Sparpolitik die Staatsausgaben im darauffolgenden Jahr um 19% senken, jedoch brach die Nachfrage zusammen und die Arbeitslosenrate wuchs bis 1933 auf über 30%.

Die soziale Krise zog eine politische Destabilisierung nach. In Deutschland bedeutete das das Ende der Weimarer Republik und die bis dahin unbedeutende NSDAP bekam in der Reichstagswahl von September 1930 18% und im Juli 1932 37% der Stimmen, was die Machtergreifung Hitlers mit sich führte.

 


 

 

 

Viele prominente Ökonomen, darunter auch John Maynard Keynes, verließen sich nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft nicht mehr auf die bisher geltende klassische Wirtschaftstheorie, die auf die Regelung des Marktes durch Angebot und Nachfrage beruhte und von jeglichen staatlichen Eingriffen abriet, sondern forderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und andere Formen aktiven staatlichen Gegensteuerns.

Eine Wiedergewinnung der Vollbeschäftigung und somit der Weg aus der Krise sei laut Keynes nur durch die staatlich herbeigeführte Erhöhung der Gesamtnachfrage nach Waren und Dienstleistungen erreichbar, nicht aber über flexible Preise und Löhne.

Um diese Überlegungen auch umzusetzen, verfasste Keynes einen Brief an Präsident Roosevelt, um ihn dahin zu bringen, im Rahmen seines “New Deal” die Maßnahmen in den Vordergrund zu rücken, die die Gesamtnachfrage erhöhen, und andere, die Keynes für nicht wirkungsvoll oder nur langfristig wirksam hält, in den Hintergrund treten zu lassen.

 

 


 

 


Für Amerika wendete sich das Blatt im Jahre 1933. Der Kandidat der Demokraten, Franklin D. Roosevelt konnte sich bei den Präsidentschaftswahlen gegen den amtierenden Präsidenten Herbert C. Hoover mit seinem Wirtschafts- und Sozialprogramm, dem sogenannten New Deal, durchsetzen.

Mit dem New Deal wollte Roosevelt die wirtschaftliche Depression überwinden. Die Armut und die Arbeitslosigkeit im Land sollte dadurch bekämpft und den amerikanischen Bürgern soziale Sicherheit gewährt werden.

Folgende Maßnahmen wurden von der Regierung ergriffen:

  • Staatliche Arbeitsprogramme wurden gestartet, die mehreren Millionen Menschen Arbeit boten. Der Staat investierte in die Erneuerung und den Neubau von verschiedenen öffentlichen Einrichtungen, wodurch die Kaufkraft vermehrt und die Wirtschaft angekurbelt werden sollte.
  • Kontrolle der Banken und Börsen durch das sogenannte Banken-Notgesetz (Staatliche Kontrolle)
  • Einsparungsgesetz: Gehälter der Bundesbediensteten um 15% gekürzt, Verwaltung wurde vereinfacht
  • Gründung der Tennessee Valley Authority Organisation: Raumsanierungs- und Elektrifizierungsprogramm brachten einen verbesserten Lebensstandard mit sich
  • Landwirtschafts-Anpassungsgesetz: finanzielle Unterstützungen für notleidende Farmer durch den Staat
  • Staatliche Überwachung von Arbeitsverhandlungen der Gewerkschaften, wobei diese Koalitionsfreiheit besaßen (Recht, sich frei zu organisieren)
  • Sozialgesetze: Mindestlöhne für Industriearbeiter; Arbeitslosen-, Renten-, Alters- und Krankenversicherung; Einführung eines progressiven Steuersystems

Franklin D. Roosevelts New Deal half den USA zweifellos wieder aus der Krise. Das Bruttosozialprodukt der USA stieg von 55,6 Milliarden Dollar auf 90 Milliarden Dollar, die Staatsverschuldung stieg jedoch von $22,5 Mrd. auf $40 Mrd. Auch die Demokratie konnte als Staatsform erhalten werden. .
Mit dieser Vorgehensweise betrieb die Regierung Wirtschaftspolitik nach dem englischen Ökonomen John Maynard Keynes. Dessen nachfrageorientierte Politik hatte die Verschuldung des Staates zugunsten der Vollbeschäftigung als den Schlüssel zum gesamtwirtschaftlichen Erfolg im Sinn.

 

 


 

 

 

Um zukünftige Blasen im Finanzsektor zu vermeiden, wurde in den USA das
Trennbankensystem eingeführt, wodurch Investmentbanken, die vor allem der Unterstützung des Handels an Finanzmärkten durch so genannte Investmentgeschäfte dienten, von den Geschäftsbanken, deren Geschäftstätigkeit aus der Vermögensverwaltung ihrer Kunden bestand und die aber einer schärferen Aufsicht unterlagen, strikt getrennt wurden.

Dieses Konzept sollte verhindern, dass die risikoreichen Bankgeschäfte das tägliche Bankgeschäft beeinträchtigten oder Kundeneinlagen gefährdeten, denn den Banken im Umgang mit Einlagen zu viele Freiheiten zu geben, ist keine gute Idee.

Der Börsenkrach und die Weltwirtschaftskrise von 1929 brachten einige Veränderungen mit sich und waren ausschlaggebend für ein totales Umdenken der Regierungen, Banken sowie der Ökonomen. Als Folge dessen können zukünftige Krisen viel besser gehandhabt werden, wie z.B. die aktuelle Krise, die 2008 ausbrach.

Im Gegensatz zu 1929 steht das Bankensystem nicht vor dem Zusammenbruch. Die Krise von 2008 forderte nur eine überschaubare Anzahl an Instituten in die Knie. Finanzunternehmen, die auf Geld vom Kapitalmarkt angewiesen waren, wie beispielsweise unabhängige Investmentbanken, gingen entweder bankrott, wurden übernommen oder in normale Geschäftsbanken umgewandelt.

In den 1930er-Jahren gab es noch keine Einlagensicherung, welche die nervösen Sparer beruhigt hätte. Viele sahen sich dazu veranlasst, ihre Einlagen abzuheben, wodurch es zu unzähligen Bankpleiten kam.

Einen weiteren Unterschied finden wir in der Geldpolitik. Als nach dem Börsenkrach von 1929 das Preisniveau sank, drosselte die Federal Reserve die Geldmenge. Das verstärkte den ohnehin bereits vorhandenen Deflationsdruck und führte zu einem jährlichen Preisverfall von 10%.

Heutzutage würde die Federal Reserve Liquidität in den Markt pumpen oder den Zinssatz senken und somit die Geldmenge erhöhen anstatt zu drosseln.

Die damaligen Maßnahmen von US-Präsident Hoover erwiesen sich teilweise sogar als kontraproduktiv und trugen dazu bei, den Abschwung noch weiter zu verschlimmern, wie z.B. die Erhöhung der Zölle und der Einkommenssteuer.

Heute würde man Rettungspakete für Banken sowie andere Maßnahmen zur Unterstützung verschuldeter Hausbesitzer verabschieden und dem Rückgang des privaten Konsums mit staatlichen Eingriffen entgegenwirken.

Einen letzten Unterschied zur damaligen Krise finden wir in der Solidarität der anderen Staaten. Damals brach der Welthandel durch erhöhte Zölle zusammen, heute versucht man gegenseitig angeschlagene Banken zu retten und schwächelnde Volkswirtschaften zu stimulieren.


 

 

Meiner Meinung nach haben wir sehr wohl aus der Geschichte gelernt und haben deshalb die heutige Krise besser bewältigt als damals.

 

 

 

 

Okt 18

SEHEN – MIT AUGE ODER GEHIRN?

Vera Dallemulle
Abschlussjahr 2009/2010

EINLEITUNG

Schon als Kleinkind beginnt man mit dem Licht zu leben: Es ermöglicht ihm, zu sehen, seine Umwelt zu erkennen und die Schönheiten dieser Welt zu genießen. Diese Fähigkeit ist allerdings nicht so selbstverständlich, wie es zunächst scheint, sondern muss gelernt sein. Die optische Wahrnehmung ist nämlich ein Produkt aus einem langen Lernprozess, der uns ein Leben lang begleitet. So ist das Sehen kein bloßes Abbild der Außenwelt, sondern es baut auf vielfältige Erfahrungen auf, die uns das Auge und andere Sinnesorgane zugleich liefern. Diese helfen uns dabei, die gesehenen Dinge verständlich zu machen. Dabei nehmen wir die Richtigkeit unserer Wahrnehmung als selbstverständlich an und wundern uns, wenn unser Sinn oftmals getäuscht wird.

Ohne diese Fähigkeit, Reize aufzunehmen und die Umwelt zu entschlüsseln, wäre jede menschliche Kultur undenkbar. Der Mensch ist nämlich ein “Augentier”, der in seinem Leben nach Anschaulichkeit verlangt. Der Mensch strebt danach, nicht nur sinnlich Wahrgenommenes, sondern auch die sinnliche Wahrnehmung an sich zu ergründen und zu erklären. Die dabei erzielten Errungenschaften sind “zugleich ein wesentliches Stück Kulturgeschichte der Menschheit”, wie sich Professor Adolf Bleichert, Abteilungsvorsteher am Physiologischen Institut an der Universität Hamburg, zu diesem Thema äußert.

Aufgrund der Bedeutung des Gesichtssinnes in unserem alltäglichen Leben, seiner Unabdingbarkeit und seines Zaubers, und meines persönlichen Interesses für dieses Gebiet habe ich dieses Thema ausgewählt. Denn ich bin fasziniert davon, wie der Mensch jeden Tag aufs Neue die Welt erblicken kann und sich dadurch immer weiter entfaltet. Genau dieses Thema werde ich auch in meiner späteren Berufswahl mit einbeziehen, ausgehend von einem Optometrie – Studium.

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Jul 15

Urheberrecht im Internet nach deutschem Recht

Urheberrecht im Internet

nach deutschem Recht

Schwerpunktthema von Elisabeth Pfattner

Klasse 5A HOB Brixen

Schuljahr 2012/2013

Inhaltsverzeichnis

1. Definition Urheberrecht

1.1 Urheber und Werk

1.2 Nutzungsrechte

1.2.1 Beispiel in der Musikbranche

1.3 Zitieren

 

2. Internationales Urheberrecht

2.1 Europäische Richtlinien

2.2 WIPO-Verträge und TRIPS-Abkommen

 

3. Unentgeltliche Angebote im Internet

3.1 Open Source

 

4. Urheberrecht in sozialen Netzwerken

 

5. Filme/Musik zur persönlichen Unterhaltung nutzen

5.1 Tauschbörsen/Filesharing

5.2 Sharehoster/Filehoster

5.3 Dateien individuell tauschen

5.4 Streaming

 

6. Fall kino.to

 

7. Fazit

 

 

Quellenverzeichnis

1. Definition Urheberrecht

Das Urheberrecht schützt die persönlichen geistigen Schöpfungen, diese umfassen Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst. Auch Computerprogramme und Inhalte, die über das Internet verbreitet werden (z. B. Blogs, Fotos, Videos) gehören dazu. Diese Leistungen der Kreativschaffenden werden inhaltlich und formell geschützt. Das Urheberrecht kann gegenüber jedermann geltend gemacht werden. Es wird durch das Urheberrechtsgesetz geregelt und wird in Urheberpersönlichkeitsrechte, Verwertungsrechte und sonstige Rechte eingeteilt.

Das Urheberrecht entsteht bei der Schöpfung, d. h. bei Entstehung des Werkes und gilt bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Dieser hat das ausschließliche Recht, zu entscheiden, ob und wie seine Leistung genutzt wird, außerdem ist er bei jeder finanziellen Nutzung seines Werkes mitzuberücksichtigen. Neben dieser wirtschaftlichen Komponente hat der Werkschöpfer das Recht bei der Verwertung als Autor, Filmemacher, Komponist usw. genannt zu werden.

Bei Verstößen gegen das Urheberrecht kann es neben Schadensersatzansprüche auch zu strafrechtlicher Verfolgung kommen. Ausnahmen bilden jene Nutzungen, die unter so genannte Schrankenbestimmungen fallen (z. B. Aufnahme von Fernsehsendungen, CDs brennen, Zitate).

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Jul 15

Mehrsprachige Erziehung

MEHRSPRACHIGE ERZIEHUNG

Schwerpunktthema von Lanziner Veronika

Klasse 5 B/K

Pädagogisches Gymnasium “Josef Gasser” Brixen

Schuljahr 2012/13

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Die Bedeutung der Sprache für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern/Neugeborenen

S. 3

  1. Was bedeutet Mehrsprachigkeit? Gibt es Einsprachigkeit überhaupt?

S. 3

  1. Welche sind die besten Methoden, ein Kind mit mehreren Sprachen gleichzeitig aufwachsen zu lassen?

S. 4

  1. Simultaner Erstsprachenerwerb

S. 5

  1. Sukzessiver Spracherwerb

S. 7

  1. Mehrsprachige sind anders! – Bedenken, Nach- und Vorteile

S. 8

  1. Quellenverzeichnis

S. 10

 

  1. Die Bedeutung der Sprache für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern/Neugeborenen

Das Erlernen der Erstsprache beginnt bereits gleich nach der Geburt, denn schon dort ist ein Baby in der Lage, Tondauer, Tonintensität, Schnelligkeit des Tonanstiegs und verschiedene Rhythmen zu unterscheiden. Da das Neugeborene den Inhalt noch nicht versteht, ist es von besonderer Bedeutung, diese vier Punkte zu beachten. Melodische, ausdrucksvolle Sprache, höhere Tonlagen, schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Tonlagen und deutliches Sprechen mit längeren Pausen wecken und fesseln die Aufmerksamkeit der Kinder. Die Reaktion auf diese Art des Sprechens veranlasst Erwachsene dazu, diese beizubehalten, und unabhängig von Sprache und Kultur sind diese Merkmale überall auf der Welt zu erkennen, und das nicht nur auf Eltern beschränkt. Menschen legen Wert darauf, miteinander – auch mit den Kleinsten – zu kommunizieren, da dies als angenehm empfunden wird und emotionale Nähe herstellt.

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